"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Kommunikationspleite"

Das Match zwischen Globalisierungskritikern und Wirtschaft steht 1:0.

Wien (OTS) - Andreas Treichl hat mit den falschen Worten zum falschen Zeitpunkt eine richtige Diskussion ausgelöst: In Österreich hat sich ein Anti-Kapital-Gesinnungsterror ausgebreitet, bei dem sich Kanzler, Boulevardmedien und die Globalisierungskritiker von "Attac" in einem Boot finden. Dem Bürger gefällt's. In Sachen Wirtschaftswissen verlässt ja viel zu oft ein geistiges Prekariat die Schulen. Die Börsen gelten spätestens seit der Finanzkrise als Hort der bösen Abzocker.
Und was tun die heimische Wirtschaft, die Industrie und die Banken dagegen? Nicht viel. Man philosophiert in internen Zirkeln über eine Wirtschaftspartei(aussichtslos), fällt unsensible Entscheidungen (Verdoppelung der Aufsichtsratsbezüge in der Erste-Group, ausgerechnet jetzt) und erklärt diese dann nicht: Die Menschen glauben ja, dass da jedem einzelnen Aufsichtsrat Millionen nachgeschmissen werden. Dabei geht es (künftig) um 52.000 Euro pro Person im Jahr - was für einen Nebenjob, der bisher meist nur theoretisch mit viel Verantwortung verbunden war, aber auch kein Dreck ist. Dass die Erste das staatliche Partizipationskapital längst hoch verzinst zurückgezahlt hätte, wenn die Republik sie ließe, erfährt man nebenher. Bei allem Respekt, aber das ist eine Kommunikationspleite.

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