Schuss ins eigene Knie

Wien (OTS) - Da meinte also der Herr Gesundheitsminister, dass die Reihung von OP-Terminen offengelegt werden müsse und dass bezahlte Konditionen von Klassepatienten nicht mehr anerkannt werden sollen.

Nun, die Gründe, warum jemand beträchtliche Aufwendungen für eine Zusatzversicherung auf sich nimmt, um "auf Klasse" zu liegen sind weniger in der kaum besseren Kulinarik gelegen, sondern in drei Überlegungen, über die man die Politik belehren muss:

1. Wunsch nach Einzelzimmer und individueller Behandlung
2. Freie Arztwahl
3. Kurzfristige Termingestaltung

Zur Erfüllung dieser 3 Punkte wird viel Geld in private Zusatzversicherungen gesteckt. Wäre auch nur einer dieser Punkte nicht gesichert, fiele die Rechtfertigung für den beträchtlichen finanziellen Aufwand weg und niemand würde mehr eine Zusatzversicherung abschließen.

Sollte sich der Herr Minister mit dieser Intention wirklich durchsetzen, hätte das zur Folge, dass Zusatzversicherte in die Privatspitäler abwandern würden und die öffentlichen Spitäler einen wesentlichen finanziellen Verlust hätten. Der Verlust wäre doppelt, denn für namhafte Spitzenmediziner hätte die Reduktion ihrer Gehälter ausschließlich auf das Standardgehaltsschema der Spitalserhalter keine Attraktivität mehr.

Die Folge wäre Abwanderung von Abteilungsvorständen bzw Nachbesetzungsschwierigkeiten für vakante Primariate. Übrig bliebe Mangel-Medizin in den öffentlichen Spitälern, geführt von übriggebliebenen, perspektivenlosen Rest-Primarii und auf der anderen Seite Spitzenmedizin im privaten Bereich - also Zweiklassen-Medizin.

Aber vielleicht ist das so gewollt, schließlich kreisen ja Ideen herum, dass Primarii gleich mehrere Abteilungen gleichzeitig führen sollen - das passt perfekt zu einer Ausdünnung der Primarärzte. Aus einer solchen Politik resultiert nur Mangel-Medizin und Inferiorität in Wissenschaft und Logistik.

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MR.Dr. WERNER Wolfgang
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