Experten einig: Verbot der Ferkelschutzkästen verursacht Tierleid, 643.000 Ferkel würden jährlich "zu Tode geliebt"

Wien (OTS) - An der Veterinärmedizinischen Universität Wien diskutierten Experten heute über den Tierschutz in der Zuchtsauenhaltung und die Auswirkungen eines möglichen Verbots der Ferkelschutzkästen. Das Fazit der Experten - ohne Ferkelschutzkästen würden jährlich bis zu 643.000 Ferkeln von den Muttersauen erdrückt. Außerdem würde eine Änderung der aktuellen Gesetzeslage - zuletzt wurde der EU-weit geregelte Tierschutz von Schweinen in einer Richtlinie 2008 ausgeweitet - nicht nur enorme Kosten für Österreichs Schweinebauern bedeuten, sondern auch einen europäischen Wettbewerbsnachteil für die heimischen Schweinzüchter darstellen. Die Folge: Ein Großteil des Schweinefleisches würde künftig aus dem Ausland kommen, Österreich seinen Selbstversorgerstatus verlieren.

Das derzeit diskutierte Verbot von Ferkelschutzkästen (Kastenhaltung) vergrößert Tierleid, statt es zu mindern. Das ist das Ergebnis einer Expertentagung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien von heute, Dienstag. Ohne Ferkelschutzkästen würden jährlich 643.000 kleine Ferkel von den Muttersauen erdrückt. Zuletzt wurde der Tierschutz in der Schweinhaltung 2008 EU-weit geregelt. Das davor schon in Österreich seit 2005 geltende Tierschutzgesetz wurde von allen politischen Parteien gemeinsam beschlossen. "Gerade deshalb ist ein österreichischer Alleingang nicht sinnvoll, die EU-Regelung legt sehr strenge Standards vor: Muttersauen dürfen maximal fünf Wochen in Ferkelschutzkästen verbringen. Die Folgen einer Gesetzesänderung sind nicht abzusehen", betont DI Hans Stinglmayr vom Verband Österreichischer Schweinebauern.

Keine Alternativen zum Kastenstand

Bei der Begutachtung der EU-Richtlinie durch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) stellt selbst diese fest, dass es derzeit keine sinnvollen Alternativen zum Kastenstand gäbe. "Es gibt bereits intensive Bestrebungen, Alternativen zum Kastenstand zu entwickeln - solche Entwicklungen sollten abgewartet werden, um Schnellschüsse zu vermeiden", meint auch Univ.-Prof. Dr. Steffen Hoy, Nutztierexperte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Schutz der Ferkel

Ferkelschutzkästen verlangsamen die Positionswechsel der Muttersauen, die für Ferkel oft tödlich enden. Ohne diese Schutzeinrichtung würde die Anzahl der jährlich in Österreich erdrückten Ferkel um 643.000 Tiere steigen - dies ist nicht nur ethisch, sondern auch tierschutzrechtlich problematisch.

Selbstversorgung Österreichs nicht mehr möglich

In der Folge würde die Selbstversorgung Österreichs mit jährlich fünf Millionen Schweinen unmöglich werden, Schweinfleisch müsste aus dem Ausland importiert werden. Nicht einmal das angebliche Tierleid würde durch ein Verbot der Ferkelschutzkästen verhindert, sondern bestenfalls ins Ausland verlagert.

Keine Angstzustände der Muttersauen

Auch das Argument, der Kastenstand würde zu Angstzuständen bei den Muttersauen führen, entbehrt jeglicher Fakten. Mehrere Studien der letzten Jahre widerlegen dieses Argument: So konnten weder signifikante Unterschiede bezüglich Herzfrequenz und Herzschlagvariabilität zwischen Freilaufbuchten und Kastenstand, noch zusätzliche Belastungen für die Muttersauen festgestellt werden.

Rückfragen & Kontakt:

Milestones in Public Relations
Barbara Gerzabek
Mobil: +43 664 246 90 54
Mail: barbara.gerzabek@minc.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MST0001