ÄrztInnen sollen kommunizieren und zuhören können ...

Welche Eigenschaften sollte ein guter Arzt oder eine gute Ärztin haben?

Wien (OTS) - Dieser Frage widmete sich gestern, Montag beim DiskussionsFORUM des Haus der Barmherzigkeit eine ExpertInnen-Runde. Die einhellige Meinung: Soziale Kompetenz ist erlernbar, insbesondere Kommunikation. Daher wäre eine Fortbildung für ÄrztInnen in Gesprächsführung sinnvoll. Das Eingehen auf Ängste und die individuelle Situation eines Patienten spart Zeit.
Am Podium diskutierten der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer, der Vizerektor der MedUni Wien Rudolf Mallinger, der Gesundheitsökonom Franz Piribauer, die Sprachwissenschafterin Marlene Sator und Christoph Gisinger, Institutsdirektor und Ärztlicher Leiter der gemeinnützigen Haus der Barmherzigkeit. Patricia Pawlicki moderierte die Veranstaltung im Studio 44 der Österreichischen Lotterien.

Junge MedizinstudentInnen müssen es verpflichtend besuchen: das Praktikum "Soziale Kompetenz" der MedUni Wien in den beiden Lehrkrankenhäusern des Haus der Barmherzigkeit in Wien. In der renommierten Langzeit-Pflegeeinrichtung werden sie von MitarbeiterInnen aus Medizin, Pflege und Therapie für eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe mit alten, schwer pflegebedürftigen Menschen sensibilisiert. Die Studierenden lernen, wie sie einem PatientIn mit fortgeschrittener Demenz Wertschätzung und Zeit zum Zuhören entgegenbringen und sie sich in dessen spezielle Situation einfühlen können.

Kommunikation als Teil der ärztlichen Kompetenz sehen

Kommunikation steht im Mittelpunkt der sozialen Kompetenz und ist erlernbar, so der Vizerektor der MedUni Wien Rudolf Mallinger, der das Praktikum mitinitiierte. Allerdings gelte auch hier der Grundsatz des lebenslangen Lernens - auch nach dem Berufseinstieg ins Krankenhaus oder im niedergelassenen Bereich. Und genau hier findet derzeit die Kommunikation nur mangelhaft statt. Studien haben gezeigt, dass ÄrztInnen ihre PatientInnen nach 22 Sekunden unterbrechen. Der Arzt empfindet jeden weiteren Versuch des Patienten, sein Anliegen einzubringen, als Störung. Das Gespräch verläuft ineffizient und beginnt sich im Kreis zu drehen. Die Sprachwissenschafterin Marlene Sator ist zwar überzeugt, dass ÄrztInnen bemüht und freundlich sind, es ihnen aber an den richtigen Gesprächstechniken fehlt. Zum Beispiel sollten ÄrztInnen offene Fragen stellen: "Wie ist ihr Schmerz?" anstelle von "Ist ihr Schmerz pochend?" (geschlossene Frage). Der Gesundheitsökonom Franz Piribauer sieht in der Verkürzung auf eine durchschnittliche Kontaktzeit von "erschreckenden" drei Minuten in Österreich und einem steigenden ökonomischen Druck die Ursachen. Seiner Meinung nach fehlt im bevormundenden Gesundheitssystem die Feedback-Schleife an den Arzt. Rückmeldungen über die Art und Weise der Kommunikation erhält der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer meist in Form von Beschwerden: "Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient hat oft gar nicht stattgefunden. Entweder, weil der Patient gar keinen Ansprechpartner findet oder der Arzt sich in dem Moment abwendet, wenn es zu einer Komplikation gekommen ist. Im Krankenhaus-Alltag gleichen oft PflegemitarbeiterInnen die Defizite der ärztlichen Kommunikation aus, obwohl sie dies rechtlich nicht dürften."

ÄrztInnen entwickeln ihre soziale Kompetenz ein Leben lang weiter

Konsens herrschte bei der Auffassung, dass in einer arbeitsteiligen Organisation auch die Zuständigkeit für ärztliche Kommunikation geklärt werden muss. Selbst bei den bestehenden Rahmenbedingungen kann eine Gesundheitseinrichtung durch veränderte Gesprächstechniken für eine bessere Kommunikation sorgen. Wünschenswert sei eine verpflichtende Fortbildung für praktizierende ÄrztInnen in Kommunikation und sozialer Kompetenz, um diese lernen und üben zu können. Aber auch PatientInnen sollten sich Gedanken machen, wie sie mit einem Arzt reden. Denn Gesundheitsökonom Piribauer meinte "Der, der verhandelt, lebt länger."

Die Österreichischen Lotterien und Pfizer Austria unterstützten auch heuer das DiskussionsFORUM des gemeinnützigen Haus der Barmherzigkeit.

Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/156

Rückfragen & Kontakt:

Haus der Barmherzigkeit
Mag. Eva Bauer
Tel.: +43/1/40 199 DW 1323 oder +43/664/8270784
eva.bauer@hausderbarmherzigkeit.at
http://www.hausderbarmherzigkeit.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HDB0001