AKNÖ- Haneder: Arbeitsüberlastung bei Gesundheitsberufen alarmierend

Auch Minister Hundstorfer sagt in St. Pölten seine Unterstützung zu

St. Pölten (OTS/AKNÖ) - "Ohne die mehr als 40.000 Pflege- und Betreuungskräfte und angestellte ÄrztInnen gibt es keine funktionierende Gesundheitsversorgung in Niederösterreich. Deshalb muss es bei der bereits unerträglich gewordenen Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen zu einer deutlichen Verbesserung kommen", forderte AKNÖ-Präsident Hermann Haneder beim 1. Tages der NÖ-Gesundheitsberufe heute, Freitag, in St. Pölten.

Beim 1. Tag der Gesundheitsberufe kam es zwischen Arbeiterkammer Niederösterreich und der Ärztekammer für Niederösterreich zu einem "historischen Schulterschluss", so die beiden Präsidenten Haneder und Dr. Reisner. Beide Präsidenten unterzeichneten als Erste den "St. Pöltner Appell", in dem eine deutliche Aufstockung des Personals, planbare und verlässliche Arbeitszeiten, eine professionelle Personalentwicklung und gesundheitsfördernde Arbeitsplätze gefordert werden.

Sozialminister Hundstorfer unterstützt ÄrztInnen und Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe

Minister Hundstorfer nahm als Zeichen der Unterstützung für die Anliegen der Gesundheitsberufe den "St. Pöltener Appell" von den Präsidenten Haneder und Reisner entgegen. Die Berufe müssen attraktiver gestaltet werden, denn "in den nächsten 10 Jahren werden wir in Österreich 18.000 zusätzliche Pflege- und Sozialbetreuungskräfte brauchen". Zusätzlich werden 20.000 derzeit in den Gesundheitsdiensten Beschäftigte in Pension gehen. Allein in der Mobilen Pflege werden 60 Prozent mehr Pflegestunden angeboten werden müssen. "Als ersten Schritt zu einer soliden Finanzierung wird der Pflegefonds in Höhe von 685 Millionen Euro nächste Woche im Ministerrat beschlossen", sagte der Sozialminister in St. Pölten. Rudolf Hundstorfer sprach sich weiters dafür aus, die Gesundheits-und Krankenpflegeschulen zumindest auf dem derzeitigen Stand zu belassen und nicht Schulen aus betriebswirtschaftlichen Gründen, weil sie einem Spital zugerechnet werden, zu schließen.
Das AMS wird weiterhin jährlich 5.000 Umschulungen zu Pflege- und Sozialbetreuungsberufen anbieten. Vor allem für AltenfachbetreuerInnen und PflegehelferInnen.

AK-Vizepräsidentin Adler: Die Arbeitgeber haben auf Alarmzeichen nicht reagiert "Die Arbeitgeber haben leider nicht auf die schlechten Arbeitsbedingungen reagiert, die vor genau einem Jahr in einer großen Studie festgestellt worden sind", sagte AKNÖ-Vizepräsidentin Brigitte Adler. In den Gesundheitsberufen gab jede/r Fünfte an, "emotional erschöpft" zu sein. Für 27 Prozent dauert ein Arbeitstag zwischen 12 und 14 Stunden. AKNÖ-Vizepräsidentin DGKS Brigitte Adler: "Diese Alarmzeichen dürfen nicht übersehen werden. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, sehe ich die Qualität der Gesundheitsversorgung, vor allem auch die Gesundheit der Beschäftigten, gefährdet."

Die Niederösterreichische Arbeiterkammer und die Ärztekammer NÖ befragte rund 33.000 Beschäftigte in den Gesundheitsberufen (Arztangestellte, PflegehelferInnen, Spitalsbedienstete und die Beschäftigten in den mobilen Diensten) zu ihren Arbeitsbedingungen und dem beruflichen und familiären Umfeld:

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
54 % der Beschäftigten arbeiten mehr als 8 Stunden,
27 % zwischen 12 und 14 Stunden, 2 % mehr als 14 Stunden pro Arbeitstag.
Obwohl nur 1 % der Beschäftigten eine vertragliche Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden vereinbart haben, arbeitet jede/r Fünfte länger als 40 Stunden pro Woche.
Jede/r Vierte möchte weniger Wochenstunden arbeiten.
22 % geben an, emotional erschöpft zu sein (Vorstufe zum Burn-out). 85 Prozent sind mit dem gewählten Beruf sehr zufrieden oder zufrieden.

Jeder vierte neue Arbeitsplatz entsteht im Gesundheitswesen. Schon jetzt gibt es in Österreich rund 6.000 nicht besetzte Stellen im Pflegebereich. Um die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe attraktiver zu machen, fordert die Niederösterreichische Arbeiterkammer:
1. Das Alarmsignal der vielen emotional Erschöpften muss gehört werden. Die hohe emotionale Belastung muss durch gesundheitsfördernde Arbeitsplätze dringend verringert werden.
2. Neue Berufsfelder erschließen: Die Mehrfachqualifikation der Beschäftigten bietet beste Voraussetzungen, neue Berufsfelder in der Gesundheitspflege (Gemeindeschwestern, Familiengesundheitsbetreuung u. ä.) zu eröffnen.
3. Arbeitsverdichtung reduzieren. Die Patientenverweildauer ist gesunken, die zunehmend alten PatientInnen sind multimorbid. Deshalb braucht es eine einheitliche
Personalbedarfsrechnung und fehlendes Personal muss sofort nachbesetzt werden.
4. Die Arbeitsplätze sind nach dem Arbeitnehmerschutzgesetz auch im Hinblick auf psychische Belastungen zu evaluieren und auf mögliche Verbesserungen zu prüfen. Hier liegt eine Bringschuld des Dienstgebers vor.
5. Mit den Arbeitgebern gemeinsame Lösungen suchen: Die AKNÖ bietet den Dienstgebern in Niederösterreich an, gemeinsam die Arbeitsbedingungen in den Gesundheits- und Sozialdiensten zu verbessern.

Die Zukunftsbranche Gesundheitswesen klagt bereits jetzt über Nachwuchsmangel. AKNÖ-Vize Adler: "Wir steuern auf einen neuen Pflegenotstand zu, wenn es nicht zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen kommt."

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Bernhard Rupp, MBA, Abteilungsleiter Gesundheitswesen und ArbeitnehmerInnenschutz der AKNÖ. Tel. 05-7171-1272.

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