Wiens Jugendanwalt Anton Schmid fordert neues Wiener Glücksspielgesetz

"Der Jugendschutz muss an erster Stelle stehen!"

Wien (OTS) - Nachdem am Dienstag die erste repräsentative Studie zum Glücksspielverhalten in Österreich von der ARGE Suchtvorbeugung veröffentlicht wurde, meldet sich dazu nun Wiens Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid zu Wort. "Es ist sehr positiv zu bewerten, dass es zu diesem wichtigen Thema nun endlich eine umfassende Erhebung gibt. Man sollte aufgrund der Ergebnisse gewissenhaft über neue gesetzliche Regelungen bezüglich Jugendschutz aber auch über Hilfestellungen für Spielsüchtige nachdenken", appelliert Schmid.

Laut der Studie, durchgeführt vom Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg, haben 42 Prozent der Österreicher im letzten Jahr an Glücksspielen teilgenommen, 64 Prozent haben ein Problem mit Automatenspielen oder zeigen bereits Suchtverhalten. Besonders erschreckend ist, dass sogar zehn Prozent der 14 bis 17-Jährigen Glücksspiele konsumieren. An dieser Stelle möchte Schmid andocken und den Jugendschutz verbessert und sorgfältiger kontrolliert wissen: "Das Hauptanliegen des Jugendschutzes muss es sein, den frühen Einstieg ins Glücksspiel zu verhindern." Jugendlichen unter 18 Jahren sei zwar laut Gesetz das Spielen an Automaten verboten und sie haben auch keinen Zutritt zu größeren Glücksspielstätten. Problematisch sei aber, dass jedes Bundesland selbst regeln kann, wie Jugendlichen der Zutritt zu Gaststätten gewährt werden kann in denen bis zu drei Automaten aufgestellt werden dürfen. "Das ist fatal", kritisiert Schmid. "Denn durch dieses "kleine Glücksspiel", das nicht kontrolliert wird, können Kinder und Jugendliche sinnlos in die Spielsucht getrieben werden."

Die zentralste Forderung des Wiener Kinder- und Jugendanwalts lautet daher, dass es in Cafes und Lokalen keine Einzelaufstellungen von Automaten mehr geben darf. "Schließlich können die Bundesländer diese Einzelaufstellungen in Gaststätten per Gesetz verbieten. Dann sollen sie das bitte auch tun", sagt Schmid. In diesem Zusammenhang übt der Jugendanwalt auch scharfe Kritik am neuen Glücksspielgesetz per se, das erst 2010 neu gestaltet wurde. "Der Jugendschutz muss bundesweit vereinheitlicht werden und es muss - etwa durch ein strengeres Zugangssystem oder Ausweiskontrollen - gewährleistet werden, dass Jugendliche nicht an die Automaten rankommen", meint Schmid. Das neue Gesetz erlaubt es, dass bis zu drei Automaten in Gasträumen aufgestellt werden, vor der Gesetzesänderung lag die Höchstgrenze bei zwei. Außerdem wurde der Einsatz von 50 Cent auf einen Euro erhöht und der Gewinn ist auf 1000 Euro angehoben worden.

Außerdem schließt er sich folgenden Forderungen an, die bereits Studienautor Jens Kalke festgehalten hat:

- Das Aufsichtspersonal ist intensiv in den Bereichen Glücksspielsucht, Hilfesystem und dem Erkennen von ProblemspielerInnen zu schulen

- Es sollte eine namentliche Registrierung für alle BesucherInnen von Spielstätten geben, in denen Glücksspielautomaten stehen

- Für Minderjährige muss ein Verbot an jeglichen Glücksspielen eingeführt werden (inkl. Sportwetten)

- Es sollten strengere Alterskontrollen in allen Spielstätten (auch Lotto-Toto-Annahmestellen) eingeführt werden, um bestehende und noch zu implementierende Jugendschutzregelungen durchsetzen zu können

- Auf allen Spielgeräten/-scheinen sollten Warnhinweise, Jugendschutzbestimmungen sowie Informationen über Beratungsangebote angebracht sein

- Es sollte eine Modellversuch zum Alkohol- und Rauchverbot in Spielstätten durchgeführt werden, um zu prüfen, ob dadurch das verantwortungsvolle Spielen gefördert werden kann

Zirka 40% der Spieler, die fremde Hilfe bei Beratungsstellen suchen, geben selbst an, vor dem 18. Geburtstag mit dem Spielen begonnen zu haben, das sei eine Katastrophe, so Schmid.
"Alle gesetzlichen Regelungen wurden in Wien bisher nur im Rahmen des Veranstaltungsgesetzes festgehalten", bemängelt Schmid und fordert ein eigenes Landesglücksspielgesetz, in dem auch das Wetten geregelt ist. "Wenn der Jugendschutz nicht funktioniert und endlich auf solide Beine gestellt wird, kann man sich über den Spielerschutz den Kopf zerbrechen, so lange man will. Denn man lernt als Jugendlicher, wie es geht", schließt der Jugendanwalt.

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Herr Dr. Anton Schmid
Tel.: (++43-1) 70 77 000
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