TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 12. Mai 2011 von Christian Jentsch "Teuflischer Machtkampf im Gottesstaat"

Irans Präsident Ahmadinejad und Revolutionsführer Khamenei haben sich den Krieg erklärt.

Innsbruck (OTS) - Sie waren sich einig, als sie die
Protestbewegung nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009 brutal niederknüppeln ließen. Als Millionen Iraner auf die Straße gingen, um für mehr Rechte und Freiheiten zu demonstrieren, schickten sie ihre Schlägertrupps. Im Namen der islamischen Revolution wurde alles niedergemacht, was sich nicht bedingungslos dem Regime in Teheran unterwerfen wollte. Sie waren sich einig in der Unterwerfung ihrer Feinde. Doch Freunde waren sie nie. Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad und Irans oberster Geistlicher, Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei, trauen sich gegenseitig nicht über den Weg. Khamenei als Irans höchste Instanz ließ Ahmadinejad vor zwei Jahren zum Präsidenten wählen - und das funktionierte nur mit massiver Wahlfälschung. Doch Ahmadinejad zeigte sich in der Folge nicht demütig, sondern baute sich mit Hilfe der hochgerüsteten Revolutionsgarden ein eigenes Imperium auf und stellte die Vormachtstellung des Klerus immer mehr in Frage. Nun schlägt Khamenei brutal zurück und ließ die Berater des Präsidenten als Geisterbeschwörer und "Abtrünnige" verhaften. Innerhalb des innersten Zirkels des iranischen Gottesstaates geht der Teufel um.
Der brutale Machtkampf in der Teheraner Machtclique macht eines wieder deutlich: Die Säulen des Gottesstaates wanken, die Fundamente des Regimes bröckeln. Und das in einer Zeit, in welcher eine revolutionäre Bewegung die Despoten in der arabischen Welt vom Thron stößt. Der Funke der Freiheitsbewegungen in der arabischen Welt könnte schon bald auf den Iran überspringen und auch dort wieder -wie schon vor zwei Jahren - das Feuer des Protests entzünden. Und das zerstrittene und zerrüttete Regime in Teheran kann einer breiten Bewegung auf Dauer sicher nicht standhalten.

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