Musiol fordert: Kinder und Jugendliche dürfen nicht leichtfertig Narkose-Risiko ausgesetzt werden

Grüne zum Todesfall des 17-Jährigen Missbrauchsopfers

Wien (OTS) - "Das kann keine Lösung sein Kinder einfach einem Narkoserisiko auszusetzen. Sie müssen stattdessen von der Notwendigkeit der Untersuchungen überzeugt werden. Das leichtfertige Versetzen in Tiefschlaf gehört sofort abgestellt", fordert Daniela Musiol, Familiensprecherin der Grünen, anlässlich des Todes einer 17-Jährigen, die nach dem Verdacht des Missbrauchs durch ihre Großeltern und zwei Nachbarn seit September 2010 in der Linzer Landesnervenklinik betreut worden war. Die Jugendliche ist aus dem künstlichen Tiefschlaf, in den sie versetzt wurde, nicht mehr aufgewacht. "Das Problem des Versetzens in den künstlichen Tiefschlaft ist bekannt. Kinderschutzgruppen beklagen schon seit langem, dass viele psychiatrische Abteilungen bei Fällen von Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch, bei denen sich Kinder oder Jugendlichen nicht medizinisch untersuchen lassen wollen, diese einfach in künstlichen Tiefschlaf versetzen", sagt Musiol.

"Dieses schreckliche Ereignis zeigt, dass es leider noch immer viel Handlungsbedarf im Bereich der Gutachten und den Umgang mit Opfern von Gewalt gibt". Musiol kritisiert in diesem Zusammenhang auch die fehlende Unterstützung der Regierung im Bereich des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. "Gerade die Unterstützung von Menschen in Not, psychologische Hilfen, sowie Pflege- und Betreuungsleistungen sind zentrale Aufgaben der Sozialarbeit, die der Staat nicht weiter ausdünnen darf." Der Sozialbereich wurde schon in den letzten Jahren derart ausgehungert, dass Beschäftigte am Rande ihrer Kapazitäten arbeiten. "Das Aushungern des Sozialbereiches muss ein Ende haben", fordert Musiol. Sozialarbeiter seien nicht als Bittsteller zu behandeln, sondern als existenzielle Basis unseres Gemeinwesens.

Musiol schlägt für die Zukunft im Fall von Gewalt und Missbrauch ein Vier-Augen-Prinzip vor: "Zwei statt einem Gutachter müssen bei schwerwiegenden Entscheidungen eine Expertise erstellen. Es ist sinnvoll, wenn ein Gutachten aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erstellt wird. Auch für medizinischen Laien ist erkennbar, dass die ärztliche Entscheidung, ein 17-jähriges Mädchen in künstlichem Tiefschlaf zu versetzen, nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann". Nur als Notmaßnahme sei ein künstlicher Tiefschlaf denkbar, damit können aber keine psychologischen Probleme gelöst werden. Vor allem dürfe eine solche Maßnahme nur zeitlich begrenzt angewendet werden, so Musiol.

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