Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 6. Mai 2011. Von CHRISTIAN JENTSCH. "Am Ort der Tragödie kann Neues wachsen"

Ground Zero steht für Terror und Tod. Jenseits von Rache muss US-Präsident Obama nach vorne blicken

Innsbruck (OTS) - Als am 11. September 2001 Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten, hielt die Welt den Atem an. Wir waren live dabei, als die Türme im Zentrum von New York kollabierten und rund 2600 Menschen unter ihren Trümmern begruben. Es war ein Stich in das Herz der Weltmacht USA. Der unverwundbar scheinende Gigant - militärisch sowie wirtschaftlich - geriet zumindest kurzfristig ins Wanken. Die Anschläge auf das World Trade Center waren aber auch ein Angriff auf die westliche Welt, deren Symbole in sich zusammenfielen.
Nach dem ersten Schock wuchs aus den Trümmern am Ground Zero der Zorn. Der damalige US-Präsident George W. Bush und sein Vize Dick Cheney riefen zum Kampf gegen den Terror. Ein Kampf, der immer die Fratze des Bösen in Gestalt des Terrorpaten Osama bin Laden als Drahtzieher der Anschläge im Visier hatte. Doch weder die Kriege in Afghanistan noch im Irak konnten den Terror besiegen. Es war ein Feldzug gegen ein Phantom, der nicht zu gewinnen war. Der Nährboden des Terrorismus wurde nicht trocken gelegt, er wurde neu bestellt. Auf der anderen Seite verschanzten sich radikale Islamisten hinter einer Figur, die außer Hass wenig zu predigen hatte. Der Massenmörder bin Laden avancierte zu einem Gotteskrieger, der einen Kampf entfachte, der Völker und Religionen gegeneinander aufwiegelte.
Die Inkarnation des Bösen ist tot, von einer US-Eliteeinheit liquidiert. Gestern betrat US-Präsident Barack Obama am Ground Zero wieder jenen Ort, an dem die Tragödie ihren Anfang nahm. Und er tut gut daran, beim Bau einer neuen Zukunft nicht wieder die Geister der Vergangenheit zu beschwören. Es ist Zeit für ein neues Miteinander. Die Revolutionen in der arabischen Welt sind mehr als ein Hoffnungsschimmer.

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