"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Blaue Folklore"

Strache redet zwar am 8. Mai, doch Junge sind ihm wichtiger als "Alte Herren".

Wien (OTS) - Heinz-Christian Strache hat sich von seinem
einstigen Vorbild und späteren Gegner Jörg Haider längst emanzipiert, auch wenn er am selben Klavier der Emotionen spielt. Zwar wird auch er am 8. Mai reden, das ist er den Altvorderen seiner Partei schuldig. Das Ende des Zweiten Weltkrieges, die Kapitulation der deutschen Wehrmacht, war lange Zeit ein Konflikttag zwischen rechts und links, zwischen der Interpretation von "Befreiung" und "Niederlage".
Die FPÖ spricht nun von "Totengedenken" für alle Opfer, Strache vermeidet es, mit NS-Vokabular zu spielen. Denn viel wichtiger als Folklore für schlagende Burschenschafter und "Alte Herren" sind ihm die Jungen, vor allem Burschen, die früher wohl SPÖ gewählt hätten. Diese Wähler haben ganz andere Sorgen als das Kriegsende vor 66 Jahren. Sie fühlen sich vom hohen Migrantenanteil in ihrem Umfeld verunsichert.Sie haben das dumpfe Gefühl, dass in Brüssel ihr Geld verpulvert wird, wie sie das täglich in Boulevardblättern lesen. Und sie fühlen sich von der etablierten Politik entsetzlich gelangweilt. Bei ihnen fallen hetzerische Botschaften auf fruchtbaren Boden. Das ist in Wahrheit ein viel größeres Problem als die Rednerliste vom 8. Mai.

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