Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, ausgabe vom 5. Mai 2011. Von PETER NINDLER. "Von Haflingern, Fußball und Tunnelvereinen"

Das Förderwesen steht in Tirol auf dem Prüfstand. Transparenz und Effizienz sind gefordert.

Innsbruck (OTS) - Na ja: Die 80.000 Euro für den Bürgermeisterverein aus dem Wipptal, der sich im Vorjahr mit Protestaktionen für den Brennerbasistunnel hervorgetan hat, ist nicht gerade eine Glanzleistung in der Geschichte des Tiroler Förderwesens. Die Landesregierung finanzierte nachträglich einen Protest, weil der protestierende Verein aus dem letzten Loch gepfiffen hat. Mit leeren Brieftaschen wurden aufwändige Aktionen am Brenner und in Wien veranstaltet. Mit Nachhaltigkeit hat das wenig zu tun, da kann die Landesregierung den Verein "Lebensraum für Generationen" noch so sehr über den grünen Klee loben. Im Vergleich zu Aktivitäten anderer Umweltinitiativen lässt sich die Landesförderung keinesfalls rechtfertigen.
Die jährlichen Zuwendungen von rund 350.000 Euro für den Haflingerzuchtverband und die Entschuldungen müssen ebenfalls kritisch hinterfragt werden. Nicht wegen der Förderungen an sich, sondern wegen der Verflechtungen und Intransparenz, die im Haflingerwesen vorherrschen. Hier passt einiges nicht zusammen, wie die Mehrfachfunktionen des Geschäftsführers, die stets wiederkehrenden finanziellen Probleme und das beinahe undurchsichtige Wirtschaftsgeflecht in der Pferdekoppel. Bevor ein Sanierungskonzept geschnürt wird, sollte es zuerst endlich, wie vom Landesrechnungshof angeregt, eine personelle Entflechtung geben.
Von den Haflingern zum Fußball ist es nur ein kurzer Trab: Denn Wacker wurde auch mehrmals von der öffentlichen Hand und (landesnahen) Sponsoren entschuldet. Obwohl es der Verein nach der FC-Tirol-Pleite doppelt schwer hat - irgendwann benötigt es finanzielle Ruhe, damit die Förderungen Sinn machen. Sie sind notwendig und gerechtfertigt. Doch beim Wacker sind endlich Effizienz und Nachhaltigkeit gefragt, ansonsten wird jeder Förder-Euro zum Tropfen auf den heißen Stein.

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