"STANDARD"-Kommentar zum Rektor als Wissenschaftsminister: "Primus inter Pares" von Lisa Nimmervoll

Ausgabe vom 5.5.2011

Wien (OTS) - Karlheinz Töchterle hat ein Atout: Er war Rektor. Und zwar einer, von dem man annehmen darf, dass gilt: einmal Rektor, immer Rektor. Auch als Wissenschaftsminister. Er kennt die Leiden der Universitäten, und er kennt die Freuden, die Universität in ihrer gelungensten Form bieten kann: die Lust am Denken, die Leidenschaft des Diskurses, die Sehnsucht nach Erkenntnis.
Töchterle ist quasi der "Primus inter Pares" unter den Rektoren, der Erste unter Gleichen. Wenn er als Wissenschaftsminister Erfolg haben will, muss er eigentlich nur der bleiben, der er ist. Das sagen, was er immer gesagt hat. Und das als Minister auch tun. Dann hat er das wertvollste Gut, das ein Politiker haben kann: Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Das wird die Verantwortung des Ministers sein, den sich die ÖVP als grünes oder liberales oder intellektuelles Federchen an den schwarzen Hut stecken wollte.
Ob Töchterle grandios scheitern oder furios amtieren wird, hat aber vor allem die ÖVP (und ihre Finanzministerin) in der Hand. Sie kann aus dem erfolgreichen Rektor einen erfolgreichen Minister machen -oder ihn, den Parteifreien, dem politischen System zum Fraß vorwerfen. Ohne die nötigen Finanzmittel muss er ein Gescheiterter werden. Es sei denn, die ÖVP wird gescheiter und alimentiert den Hochschulbereich endlich so, wie es ihr Töchterle und die anderen Rektoren seit Jahren sagen. Denn an diesem Standpunkt kann kein Standortwechsel etwas ändern.

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