Ethik-Enquete - Ministerin Schmied: Verbindende Werte der Gesellschaft vermitteln und vorleben

"Auf weltliche Art an Grundwerte herangehen, ohne damit anerkannte Religionen in Frage zu stellen"

Wien (OTS/SK) - Gerade in der heutigen Zeit, die mitunter bedingungslos auf Konkurrenz setzt, haben junge Menschen Schwierigkeiten, die Bedeutung von Werten wie Solidarität und sozialem Handeln zu verstehen. "Wenn wir hier nicht als Verantwortliche für Bildung gegensteuern, setzen wir den Zusammenhalt und den sozialen Frieden unserer Gesellschaft aufs Spiel", betonte Bildungsministerin Claudia Schmied, heute, Mittwoch, bei der Parlamentarischen Enquete "Werteerziehung durch Religions- und Ethikunterricht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft". Für die Bildungsministerin ist daher klar: "Unsere Aufgabe besteht darin, die verbindenden Werte der Gesellschaft zu vermitteln und vorzuleben." ****

In ihrem Einleitungsstatement beschäftigte sich die Ministerin auch mit der Frage, welche Beiträge die Schule im Zusammenhang mit Ethik leisten kann. So sei zu fragen, ob "Ethik" ein Ersatzfach für den Religionsunterricht werden soll, oder ein Gegenstand, der für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich ist, oder ein "Querschnittsthema ist, das in vielen Fächern erarbeitet werden kann". Bei der heutigen Enquete sei, so Schmied, auch über folgende Punkte zu diskutieren:

1) Was darf unser weltanschaulich neutraler Staat an Werthaltungen überhaupt vorgeben?
2) Welchen Beitrag zum Gemeinwohl, zu Fragen des interreligiösen Dialogs und der demokratischen Grundprinzipien unserer Gesellschaft kann der Religionsunterricht in einer pluralistischen Gemeinschaft leisten?
3) Inwieweit können andere Fächer (z.B. Geschichte, Philosophie, Politische Bildung) Fragen unter verschiedensten ethischen Gesichtspunkten behandeln?

Klar sei, dass jene Werte, die mit der Ethik vermittelt werden sollen, sorgfältig und präzise definiert werden müssen, betonte Schmied. Mit Blick auf einen Grundwert unserer Gesellschaft, nämlich die Trennung von Staat und Religion, unterstrich die Ministerin, "dass wir auf weltliche Art und Weise an die Grundwerte herangehen sollten, ohne dass wir damit die anerkannten Religionen in Frage stellen".

Die Schulen haben, so Schmied, die Verantwortung jedes Einzelnen nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gemeinschaft zu erklären. Außerdem hätten die Schule die Stärkung der persönlichen Identität jedes Einzelnen zur Aufgabe, so Schmied, die betonte, dass die Ich-Stärke auch eine "zentrale Voraussetzung für einen angstfreien Diskurs in multi-kulturellen und multi-religiösen Gesellschaften ist". Empathie sei "eine Art Immunität gegen das Unmenschlich-Sein und gegen Fundamentalismen", machte Schmied klar.

Bei der heutigen Enquete berichtet Univ.-Prof. Anton Bucher auch über die Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus den Schulversuchen im Fach "Ethik". Diese Schulversuche gibt es seit dem Jahr 1997/98, heuer nehmen bereits etwa 15.000 Schülerinnen und Schüler an rund 200 Standorten in Österreich daran teil. Nach Impulsreferaten (u.a. von Univ.-Prof. Konrad Paul Liessmann) werden die Bildungssprecherinnen und -sprecher der Fraktionen zum Abschluss ein Resümee ziehen. (Schluss) mb/ah

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