Zulehner: Moderne Bildung erfordert Religions- und Ethikunterricht

Parlamentarische Enquete in Wien zum Thema "Werteerziehung durch Religions- und Ethikunterricht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft"

Wien, 04.05.11 (KAP) Religiöse und ethische Bildung gehört zu den Grundanforderungen moderner Bildung und steht in der Verantwortung des Staates. Dies hat der Wiener Religionssoziologe Prof. Paul M. Zulehner im Rahmen einer parlamentarischen Enquete zum Thema "Werteerziehung durch Religions- und Ethikunterricht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft" am Mittwoch in Wien betont. In einer modernen Gesellschaft dürfe sich die Schule daher "nicht um die Bildung in religiösen und ethischen Belangen herumdrücken", ansonsten würde sie ihren "in den Menschenrechten verankerten Bildungsauftrag verraten", sagte Zulehner.

Um diesen Bildungsauftrag zu erfüllen, könne der Staat mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften kooperieren - sobald Eltern oder Schüler sich jedoch entscheiden, den Religionsunterricht abzuwählen, stehe "nach wie vor der Staat in der Pflicht, Bildung über religiöse und sozial-ethische Frage zu sichern", unterstrich Zulehner.

Zu einem solchermaßen umfassenden, vom Staat zu sichernden Bildungsauftrag gehört laut Zulehner die Information der Schüler über die verschiedenen Religionen und Weltanschauungen aber auch über "ausgereifte atheistische Positionen". Ziel müsse es sein, das Schüler "in Freiheit ihre eigene weltanschauliche und ethische Position überprüfen und klären" können. Schließlich trage eine umfassende Bildung, die das hohe Maß an weltanschaulicher und religiöser Pluralität abbildet, auch zur Sicherung des Friedens bei, wo dem Anderen im Dialog und in Toleranz begegnet wird, so Zulehner.

Zulehner bezog sich in seinem Statement ausdrücklich auf die Ergebnisse der Österreichischen Jugendwertestudie von 2006 und die Teilauswertung "Religion und Ethik in der Schule einer pluralistischen Gesellschaft". Demnach wünsche sich weiterhin eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten "mehr ethische Bildung in den Schulen". 66 Prozent gaben demnach an, es für wichtig zu erachten, dass Kinder in Österreich Religionsunterricht erhalten. 69 Prozent halten das Christentum für einen wichtigen Teil der europäischen Identität.

Verabschieden müsse man sich daher von der lange gehegten Vermutung, dass mit steigender Modernität die Religion verschwinde. Es komme vielmehr zu einer "Verbuntung" in der Gesellschaft und zu einer damit einhergehenden steigenden Bedeutung von religiöser und ethischer Bildung, betonte Zulehner.

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