Journalistenworkshop der Initiative "Ganz im Leben - Österreichische Plattform für seelische und körperliche Gesundheit"

"Wechselwirkungen zwischen seelischer und körperlicher Gesundheit"

Wien (OTS) - Längst bekannt und durch Studien belegt ist der Umstand, dass Menschen mit psychischen Problemen auch verstärkt zu körperlichen Erkrankungen neigen, beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes oder Adipositas. Ein beträchtlicher Teil der heimischen Diabetes-Patienten leidet wiederum an einer Depression. Auch andere Krankheiten wie Krebs oder Rheuma stellen extreme seelische Belastungen für die Betroffenen dar, die auch unabhängig von der rein körperlichen Erkrankung zu psychischen Beschwerden führen können. Im medizinischen Alltag mangelt es nach wie vor an einer ganzheitlichen Sichtweise und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Im Rahmen eines Journalistenworkshops diskutierten renommierte Experten verschiedener Fachrichtungen über die wechselseitige Interaktion zwischen Körper und Psyche. +++

Am 04. Mai fand in der Kommunikationsagentur Welldone ein Journalistenworkshop zum Thema "Wechselwirkungen zwischen seelischer und körperlicher Gesundheit" statt. Die Medienvertreter bekamen dabei informative Vorträge zum aktuellen Forschungsstand präsentiert. Weiters hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, mit den Experten aus den Bereichen Psychiatrie, Innere Medizin, Dermato-Onkologie sowie Sozialmedizin über Möglichkeiten einer differenzierten und interdisziplinären Therapie in der Praxis zu diskutieren.

Psychische Erkrankungen: Gesundheitsökonomisches Problem

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Sprecher der Initiative "Ganz im Leben - Österreichische Plattform für seelische und körperliche Gesundheit", fungierte als Moderator des Workshops und informierte über die ökonomischen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen von psychischen Erkrankungen. "Psychomentale Leiden sind eine der wesentlichsten Ursachen für Krankenstände und Arbeitsfehlzeiten. In Industriestaaten ist davon auszugehen, dass etwa 30-40 Prozent aller Krankenstandstage durch diese Diagnosegruppe verursacht werden. Sie sind damit bereits ähnlich bedeutend wie muskulo-skeletale Erkrankungen, beide Gruppen gemeinsam haben somit absolute Dominanz in Bezug auf Leiden und Produktivitätsverluste im arbeitsfähigen Alter." Und weiter: "Depressive Störungen führen zu erhöhten Krankenstandszeiten, eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und Behinderung, frühzeitiger Pensionierung und erhöhter Suizidrate. Psychiatrische Erkrankungen sind inzwischen zu einem Drittel die Ursache für Frühpensionierungen." Hinzu komme, dass eine psychische Erkrankung und das damit einhergehende ungünstige Krankheitsverhalten die Therapie von möglichen körperlichen Symptomen erschwert, wodurch Folgeerkrankungen und die damit verbundenen Kosten erst recht begünstigt werden.

Depression: Verbindungen zu Morbus Parkinson, Bluthochdruck und Herzinfarkt

Prim. Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie I an der Christian-Doppler-Klinik Salzburg, referierte über das komplexe Bedingungsgefüge zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen aus psychiatrischer Sicht. "Heute gilt als unbestritten, dass vielfältige Zusammenhänge zwischen physischen und psychischen Prozessen bestehen. Dennoch gibt es Zusammenhänge, die uns Medizinern erst langsam klar werden, die Mechanismen der Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper sind nur teilweise entschlüsselt. Relativ sicher ist eine Verbindung zwischen Depression und Morbus Parkinson. Ganz aktuelle Forschungsergebnisse zeigen auch eine Interaktion zwischen Hypertonie und Depression. Darüber hinaus gehend ergeben rezente Studien, dass eine vorbestehende Depression möglicherweise der klarste Prädikator für einen späteren Herzinfarkt ist", so Prim. Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck zum aktuellsten Forschungsstand.

Diabetes & Depression: Aufeinander abgestimmte Therapie notwendig!

Seit langem erkannt und auch bereits relativ gut belegt ist der Zusammenhang zwischen Depressionen und Diabetes. "Verschiedenste Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Depressionen und Typ-2-Diabetes oft wie Geschwisterpaare einhergehen, also viele depressive Personen unter Diabetes leiden und umgekehrt Depressionen die Behandlung von Diabetes erschweren. Depressionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, nachfolgend an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, um bis zu 37 Prozent. Das Therapieverhalten, die Blutzuckereinstellung und langfristige Prognose des Diabetes werden durch eine Depression ebenfalls negativ beeinflusst. Beim Typ-1-Diabetes gibt es auch eine enge Verbindung zu psychischen Erkrankungen. Es gibt also sehr komplexe Wechselwirkungen, die bei der Behandlung von Diabetikern zu berücksichtigen sind", legte Prim. Univ. Prof. Dr. Peter Fasching, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung mit Endokrinologie, Rheumatologie und Akutgeriatrie am Wilhelminenspital der Stadt Wien, die internistische Sichtweise dar.

Während Diabetes im Anfangsstadium lange Zeit symptomfrei verläuft und somit oft spät diagnostiziert wird, kommt es bei Rheuma bzw. rheumatoider Arthritis häufig bereits in den ersten Jahren der Erkrankung zu einschneidenden sozialen Veränderungen wie eingeschränkter Mobilität sowie einer meist damit verbundenen Veränderung des beruflichen Status. Die systemische Autoimmunerkrankung verläuft bei einem Großteil der Betroffenen chronisch. Das ständige Leben mit Schmerzen mindert die Lebensqualität erheblich: "Psychische Symptome bzw. Erkrankungen sind eine verbreitete Begleit- oder Folgeerscheinung von Rheuma und hängen meist mit dem Krankheitsverlauf oder chronischen Schmerzen zusammen", hielt Prof. Dr. Peter Fasching fest.

Krebs: Häufig psychische Beeinträchtigungen auf die schwerwiegende Diagnose

Kaum eine Diagnose ist so niederschmetternd und belastend wie Krebs. An Krebs erkrankte Personen sind mit schweren Belastungen konfrontiert, trotz teilweise guter Heilungschancen wird Krebs mit Vorstellungen von Tod und Sterben verbunden. "In sehr vielen Fällen entwickelt sich eine depressive Störung als Reaktion auf eine körperliche Erkrankung. Als typische Beispiele gelten Tumor-, Herzinfarkt-, Diabetes- sowie Schmerzpatienten, die als Reaktion auf eine schwerwiegende Diagnose und in Anbetracht einer dauerhaft notwendigen Therapie depressive Syndrome entwickeln. Krebserkrankungen sind daher relativ häufig mit Depressionen verbunden", bestätigte auch Prim. Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck. Hautkrebs zählt zu jenen Krebsarten, die im Steigen begriffen sind. Man unterscheidet den weißen Hautkrebs, Basaliome und Plattenepithelkarzinome der Haut, vom schwarzen Hautkrebs, dem Melanom. Der weiße Hautkrebs ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung in Ländern mit hellhäutiger Bevölkerung. Das Melanom tritt im Gegensatz zum weißen Hautkrebs zwar seltener auf, ist aber durch eine hohe Tendenz zur Absiedelung in andere Bereiche des Körpers gekennzeichnet. "Die Belastung der Hautkrebs-Patienten durch die Erkrankung aber auch durch Nebenwirkungen von Therapien ist natürlich groß und bedarf einer guten Gesprächsbasis zwischen Arzt und Patient als auch einer professionellen psychologischen Betreuung. Beides kann die Lebensqualität der Patienten wesentlich beeinflussen", erläuterte Univ. Prof. Dr. Christoph Höller von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität Wien.

In der Medizin ist der Umstand, dass sich physische und psychische Beschwerden gegenseitig bedingen und beeinflussen können, von allen Disziplinen akzeptiert. Im Praxisalltag herrsche aber nach wie vor eine isolierte Betrachtung dieser Problematik, eine ganzheitliche und disziplinenübergreifende Diagnose werde nur selten gestellt. Es erfordere daher einen Umdenkprozess und verstärkte Anstrengungen, wie dem Zusammenhang von körperlichen und seelischen Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit beigemessen werden kann. Eine ganzheitliche Betrachtung von mentaler und physischer Gesundheit ist daher sicherzustellen, so die Diskutanten abschließend.

Über "Ganz im Leben - Österreichische Plattform für seelische und körperliche Gesundheit":

Im Jahr 2008 wurde die Initiative "Mental & Physical Health" auf europäischer Ebene gegründet. Hauptziel der Initiative ist es, Wege zu mehr Bewusstsein für den Zusammenhang von psychischer Krankheit und körperlicher Gesundheit einzuschlagen und eine ganzheitliche Betrachtung des Themas zu erwirken. Dadurch soll auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Psychiatern, Internisten und Allgemeinmedizinern gefördert werden. In Österreich trägt die Initiative den Titel "Ganz im Leben. Österreichische Plattform für seelische und körperliche Gesundheit". Die Initiative soll dazu beitragen, das österreichische Gesundheitssystem stärker an den Bedürfnissen einer ganzheitlichen Betrachtung von mentaler und physischer Gesundheit auszurichten und die Interdisziplinarität zu fördern. Die Forcierung der öffentlichen Diskussion des Themas sowie die Information der Ärzte, Apotheker und natürlich der Bevölkerung unter dem Motto "Gemeinsam Bewusstsein schaffen" sind wichtige Maßnahmen der Initiative. Zusätzliche Informationen stehen auf www.ganzimleben.at zur Verfügung.

Der Pressetext, die Statements der Referenten und Informationen zur Initiative "Ganz im Leben" stehen im Pressebereich unserer Website als Download zur Verfügung: www.welldone.at

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http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201105&e=20110504_w&a=event

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

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