Festwochen: Die ersten Interviews mit den neuen Chefs

Wien (OTS) - Markus Hinterhäuser als Intendant, künstlerischer Leiter und Co-Geschäftsführer, die deutsch-türkische Theaterleiterin Shermin Langhoff als Stellvertreterin: In der neuen NEWS-Ausgabe meldet sich das Führungs-Duo der Wiener Festwochen ab 2014 mit den ersten großen Interviews zu Wort.

Hinterhäuser, der in diesem Sommer interimistisch die Salzburger Festspiele leitet, ist für die Musik und die großen Theateraufführungen zuständig. Ideen, die Musiksparte aufzulösen und dem Theater an der Wien anzugliedern, sind obsolet: "Es gibt sicher Gesprächsbedarf, und ich werde mit Roland Geyer vom Theater an der Wien auch reden, um Doubletten zu vermeiden. Aber die Festwochen werden in vollem Umfang große Opern und Musiktheater
spielen."

Das derzeit abwechselnd von Musikverein und Konzerthaus bestrittene Konzertprogramm will Hinterhäuser näher an sich ziehen:
"Das muss ich jetzt auch angehen. Ich kenne und schätze Thomas Angyan (vom Musikverein; Anm.) sehr und kenne auch Bernard Kerres (Konzerthaus; Anm.). Natürlich ist das eines der Gebiete, auf denen ich mich besonders zuhause fühle." Das
Konzertprogramm ganz zu übernehmen "ist ein bisschen früh. Ich möchte gern mit beiden darüber reden, wie wir es gemeinsam gestalten können, um näher an die Aussagen der Wiener Festwochen zu kommen."

Zum derzeit hohen Anteil an Gastspielen: "Ich fände es schön, wenn wir den Prozentsatz an Eigenproduktionen steigern, dem Ganzen einen deutlicheren Stempel geben könnten. Ich möchte, dass Produktionen von Wien in die Welt gehen. Und ich möchte die Identifikation deutlicher in Wien verankert wissen. Dafür muss man präsent sein und sich anstrengen. Die Festwochen sind ein Festival, das in dieser verrückten Stadt stattfindet, die mit ihrer Musik- und Theaterverrücktheit in Europa einzigartig ist."

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"Ich bin Europäerin und Weltenbürger. Das ist mein Anspruch an mich und mein Leben." So definiert sich die für den Off-Bereich und Migrationskultur
zuständige Chermin Langhoff. Der Option, als Quotenbesetzung herabgesetzt zu werden, blickt sie gelassen entgegen: "Kunst kann beauftragt, aber nicht vereinnahmt werden. Selbstverständlich stehen kulturpolitische Erwägungen dahinter. Ich wurde auch in Berlin und in anderen Kontexten immer wieder aus kulturpolitischen Erwägungen eingekauft. Was ich dann produziert habe, hat sozusagen für sich gesprochen und hatte im besten Fall ästhetische und politische Bedeutung. Insofern habe ich überhaupt keine Angst. Man muss es nur mit Leben füllen und mit Denkräumen ausfüllen, die uns alle weiterbringen - auch diejenigen, die über Quoten nachdenken."

Langhoff weiter: "Mit mir holt man sich hoffentlich auch ein wenig die Zukunft. Sie haben ja eine schleichende Dritte Türkenbelagerung gehabt, und wie ich von den Wiener Taxifahrern mitbekommen habe, ist der Spalt größer als in Deutschland. (...) M an darf sich da nichts vormachen: Man wird die Immigranten nicht ins Theater holen. Theater ist nicht dazu da, aktuell politisches Geschehen zu interpretieren. Aber ich hoffe, dass ich Visionen habe, die über das aktuelle politische Geschehen hinausgehen, was die Konfliktzonen unserer heutigen Metropolen mit ihrer veränderten Population betrifft (...) Heute werden Leute wie Fatih Akin als deutsche Filmregisseure auf der ganzen Welt gepriesen.

Gegen das Kopftuchverbot erklärt sie sich offen:"Ich bin für die individuelle Freiheit eines jeden, solange er nicht fundamentalistisch agiert und missioniert. Ich bin Verfechterin des Individualismus, den sich unsere Vorfahren durch die Aufklärung erfochten haben."

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