Ethikunterricht: Klare Position der katholischen Kirche

Schulamtsleiter der österreichischen Diözesen sprechen sich für verpflichtenden Ethikunterricht für all jene Schüler aus, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen

Wien, 03.05.11 (KAP) Die katholischen Schulverantwortlichen plädieren für einen verpflichtenden Ethikunterricht für all jene Schüler, die - aus welchen Gründen auch immer - keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Das ist das Ergebnis der Beratungen der Schulamtsleiter der österreichischen Diözesen, die am Montag und Dienstag in Wien unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn stattgefunden hat. Ein solches Modell wäre für die Oberstufe, beginnend mit der 5. Klasse AHS und den ersten Klassen der berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen ab dem Schuljahr 2012/13 "leicht finanzierbar", hielten die Schulamtsleiter fest, die ihre Konferenz im Vorfeld der parlamentarischen Enquete zum Ethikunterricht am kommenden Mittwoch abhielten.

Die Wiener Schulamtsleiterin Christine Mann betonte: "Das Ziel ist ein guter und profilierter Religionsunterricht und ein ebensolcher Ethikunterricht. Mit verwaschenen Zwischenformen, einem Religionsunterricht, der unauffällig zu einem unverbindlichen Ethikunterricht mutiert, ist ebensowenig gedient wie mit einem Ethikunterricht, der eigentlich ein verkappter oder verschämter Religionsunterricht ist." Letzterer sei ein Unterricht des weltanschaulich neutralen Staates und dürfe weder die Glaubenssätze einer einzelnen Religion noch die individuellen Glaubenssätze eines einzelnen Lehrers zum Maß nehmen, so Mann.

Die Schulamtsleiter hielten auf ihrer Konferenz fest, dass es in Österreich seit nunmehr 14 Jahren Schulversuche eines Ethikunterrichts im Sinn dieses Modells gebe, "die sich durchaus bewährt haben". In der Zwischenzeit werde der Schulversuch an etwa 200 Oberstufen-Standorten durchgeführt. Evaluiert hatte die Schulversuche der Salzburger Religionspädagoge Prof. Anton Bucher, der bei der kommenden Enquete auch darüber referieren wird.

Dem Modell eines verpflichtenden Ethikunterricht - zusätzlich zum konfessionellen Religionsunterricht - stehen die Schulamtsleiter sehr skeptisch gegenüber, weil er für alle Schüler eine "Fülle von unerwünschten Nebenwirkungen" hätte. Zum einen sei die Finanzierung sehr kostspielig, zum anderen hätte es auch nachteilige Wirkungen für den konfessionellen Religionsunterricht in seiner Vielfalt, "die einen hohen Wert darstellt".

Da ein Ethikunterricht ohne ausführliche Darlegungen der religiös begründeten unterschiedlichen ethischen Systeme und ihres Kontextes genau so wenig vorstellbar sei wie ein Religionsunterricht, der sich nicht auch mit säkular begründeter Ethik auseinandersetzt, wäre ein Nebeneinander beider Gegenstände angesichts der großen gemeinsamen Inhalte langfristig nicht haltbar, so die Schulamtsleiter. Da es eine Abmeldemöglichkeit vom konfessionellen Religionsunterricht geben muss, wäre auch klar, zu Lasten welchen Gegenstands diese Entwicklung führen würde.

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