Leitl: Österreich war 2010 größter Investor in der Türkei

Türkischer Präsident Gül und Bundespräsident Fischer bei Wirtschaftsforum in der WKÖ - gegenseitiges passives Wahlrecht für Unternehmen auf Kammerebene

Wien (OTS/PWK310) - Anlässlich seines Staatsbesuches in
Österreich eröffnete heute (Dienstag) der türkische Staatspräsident Abdullah Gül gemeinsam mit Bundespräsident Heinz Fischer und WKÖ-Präsident Christoph Leitl ein österreichisch-türkisches Wirtschaftsforum in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). WKÖ-Präsident Leitl wies in seiner Eröffnungsrede auf die intensiven wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den beiden Staaten hin. So überschritten die österreichischen Exporte in die Türkei im Vorjahr erstmals die Ein-Milliarden-Euro-Schwelle und konnten mit einem Zuwachs von 40% die größte prozentuelle Exportsteigerung innerhalb der Top 30 Exportpartner Österreichs erzielen. Die Importe aus der Türkei beliefen sich auf knapp 900 Mio. Euro (+11%). Im Ranking der wichtigsten österreichischen Handelspartner liegt die Türkei mittlerweile bereits auf Platz 20. Der Außenhandel Österreichs mit der Türkei hat sich seit 2001 verdreifacht.

Österreich liegt unter Auslandsinvestoren vor Deutschland

Leitl: "Die Bedeutung der Türkei für Österreich als Außenhandelspartner zeigt sich aber ganz besonders bei den österreichischen Direktinvestitionen in der Türkei. Lagen wir im Jahr 2006 noch auf Platz Fünf der wichtigsten Auslandsinvestoren in der Türkei, so war Österreich im Vorjahr mit Investitionen in der Höhe von 1,8 Mrd. US-Dollar die unangefochtene Nummer Eins!" Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 4,5 Mrd. US-Dollar liegt Österreich im kumulierten Zeitraum 2002 - 2010 sogar vor Deutschland. Leitl und der Präsident des Dachverbandes der türkischen Handelskammern (TOBB), Rifat Hisarciklioglu, betonten im Rahmen des Staatsbesuchs die Vertiefung der Kooperationen zwischen den beiden Interessenvertretungen. So wurde bereits im Vorfeld eine Vereinbarung unterfertigt, welche Unternehmern mit türkischer Staatsbürgerschaft in Österreich das passive Wahlrecht bei Wirtschaftskammerwahlen und umgekehrt Unternehmern mit österreichischer Staatsbürgerschaft bei Kammerwahlen in der Türkei einräumt. Weiters wurde von der WKÖ und TOBB heute ein Letter of Intent für eine Kooperation zwischen dem WIFI International und der TOBB University of Economics and Technology mit der Zielsetzung einer Franchise-Kooperation unterschrieben.

Der türkische Präsident Gül wies auf dem Forum, das mit rund 500 Teilnehmern aus Österreich und der Türkei zu einem der größten Wirtschaftsforen der WKÖ zählte, darauf hin, dass "die Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern eigentlich schon optimal laufen, wir sie aber unbedingt noch ausbauen wollen." Gerade die wirtschaftspolitischen und bürokratischen Reformen der letzten Jahre erleichtern österreichischen Unternehmen jetzt den Einstieg in der Türkei und Gül sieht vor allem im Energiebereich gute Chancen für weitere Kooperationen. Gül erwartet weiter, dass sein Land in den kommenden zehn Jahren zu den Top-10 der weltweiten Wirtschaftsnationen aufsteigen werde. Bundespräsident Fischer zeigte andererseits die Vorteile für türkische Investoren in Österreich auf:
"So wie die Türkei auch ein Sprungbrett für Unternehmen ist, die in die Schwarzmeerregion oder den Nahen Osten expandieren wollen, hat Österreich eine Brückenfunktion nach Mittel- und Osteuropa und bietet neben der hohen Qualität seiner Arbeitskräfte zusätzlich eine gut ausgebaute Infrastruktur, sozialen Frieden, Stabilität und Lebensqualität."

Chancen für österreichische Unternehmen in allen Bereichen

Die türkische Wirtschaft ist nach einer Wachstumsdelle im Krisenjahr 2009 wieder auf Expansionskurs. Die Wachstumsrate lag 2010 bei 9% und für heuer wird ein BIP-Plus fast 5% erwartet. Gute Chancen für österreichische Firmen in der Türkei sieht WKÖ-Präsident Leitl praktisch in allen Branchen, wie auch die aktuelle Streuung österreichischer Unternehmen in der Türkei zeigt: Vertreten sind Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen wie Energie, Finanzdienstleistungen, Papier, Bau, Spanplatten, Dämmstoffe oder Gewürze. Insgesamt sind rund 200 österreichische Firmen in der Türkei aktiv. Abschließend betonte Leitl, dass die Türkei auch für kleinere und mittlere Unternehmen Chancen biete: "Die WKÖ ist mit ihren zwei AußenwirtschaftsCentern in Ankara und Istanbul für alle Betriebe da, die sich in der Türkei engagieren wollen." Zu den großen Investitionen österreichischer Unternehmen gehören die Aktivitäten von OMV, welche 2010 das Tankstellennetz von Petrol Ofisi übernommen und den Bau eines Gaskraftwerkes in der Nähe der Schwarzmeerstadt Samsun begonnen hat. Zu den weiteren Projekten gehört der Bau der Nabucco Gaspipeline. Der Verbund, welcher bereits die Stromversorgung von Ankara und der bis zum Schwarzmeer reichenden Provinzen mit 5 Mio. Kunden durchführt, hat 2010 ein Gas- sowie ein Windkraftwerk eröffnet, welche beide am Marmarameer liegen. Der Markteinstieg von bauMax erfolgte im Frühjahr 2010 mit der Eröffnung des ersten Marktes in Samsun, ein zweiter Markt wurde in Izmit im Einzugsgebiet von Istanbul eröffnet. Im Sommer erfolgte auch der Spatenstich für die Errichtung eines Weichenwerks von Voestalpine in Kooperation mit den türkischen Staatsbahnen sowie die Übernahme von 71,5% der Anteile am türkischen Kantenhersteller Roma Plastik durch Egger Holzwerkstoffe. (BS)

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