WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wachstum lässt Defizit schneller schrumpfen - von Esther Mitterstieler

Einem Aufschwung, der sich selbst trägt, steht wenig im Weg

Wien (OTS) - Eines gleich vorweg: Maria Fekter kann sich über ihren Start als Finanzministerin freuen. Das Defizit wird heuer 3,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) erreichen. In den Jahren danach soll es kontinuierlich sinken und 2013 erstmals wieder mit 2,9 Prozent unter die in Maastricht vereinbarte Grenze sinken. So wie es derzeit aussieht, könnte Fekter das ohne Sparpaket schaffen. So stark soll der konjunkturelle Rückenwind sein. Das belegt auch das neue IV-Konjunkturbarometer.

Kurz gesagt: Der heimischen Industrie geht es gut. Ein paar Schattenseiten gibt es allerdings. Zuerst zur guten Nachricht: Die Geschäftslage ist auf dem höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2008, also auf Vor-Lehman-Niveau. Damals brummte der Konjunkturmotor noch richtig. Gleichzeitig erwarten sich die Unternehmen in den nächsten sechs Monaten keine geschäftlichen Höhensprünge, aber zumindest ein Einpendeln auf dem derzeitigen Niveau.

Also: Die Stimmung ist gut, aber noch regiert die Vorsicht. Diesen Grundtenor bestätigt auch ein WirtschaftsBlatt-Rundruf unter österreichischen Top-Unternehmen wie OMV, Verbund, Swarovski, RHI. Gleichwohl: Immerhin 59 Prozent der 423 von der IV befragten Unternehmen mit 289.000 Mitarbeitern bezeichneten ihre Auftragsbestände als gut. Auf der Ertragsseite stehen die Ampeln auf Grün, und das trotz hohen Kostendrucks. In Hochkonjunkturphasen liegt der Wert zwar doppelt so hoch, Grund für Hoffnung gibt allerdings das Niveau der Ertragslage. Es liegt dort, wo es vor der Aufschwungphase Mitte des vergangenen Jahrzehnts war. Für die nächsten sechs Monate erwarten sich die Unternehmen zwar leicht nach unten korrigierte Erträge, trotzdem rechnet die IV damit, dass am Ende alles gut wird. Will heißen: Die Unternehmen werden im Gleichklang mit dem konjunkturellen Rückenwind wachsen.

Die Industrie wird ein wichtiger Wachstumstreiber im Land bleiben. Die Werke sind wieder auf dem Weg zur Auslastung, es wird wieder mehr investiert. Und so steht einem Aufschwung, der sich selbst trägt, wenig im Weg. Erstaunlich auch, dass irre Preissteigerungen bei Rohstoffen nach dem Ausbruch nordafrikanischer Krisenherde das konjunkturelle Pflänzchen nicht härter trafen. Der starke Euro hat der exportlastigen Industrie zwar zugesetzt, trotzdem sehen die Unternehmen von dieser Seite kein allzu großes Problem. Im Schatten der weltwirtschaftlichen Ereignisse bewegt sich die heimische Industrie stabil und wird dazu beitragen, dass Maria Fekter kein Sparpaket schnüren muss.

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