"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Migration fördern, nicht fürchten" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 28.04.2011

Wien (OTS) - Ab Montag haben EU-Bürger aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Reichlich spät, meinen viele Experten: Die besten und flexibelsten Facharbeiter sind längst in Großbritannien gelandet, das seine Grenzen 2004 sofort für Zuwanderer aus den damals neuen mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedsländern geöffnet hat.

Jetzt erst fallen in Österreich mit dem Ende der Übergangsbestimnmungen alle Einschränkungen. Für die immer dringender benötigten zusätzlichen Fachkräfte sind wir mehr aber weiter zweite bis dritte Wahl: Deutschland und Großbritannien gelten als wesentlich attraktiver.

Das eigentliche Migrations- und Migrantenproblem bleibt uns also voll erhalten: Österreich weist einen überdurchschnittlich hohen Anteil an schlecht ausgebildeten, kaum integrationsbereiten und oft auch gar nicht integrationsfähigen Ausländern auf.

Gebildete Türken, die ihrerseits in Österreich kaum Integrationsprobleme kennen, schütteln schon lange den Kopf über die hierzulande praktizierte Zuwanderungspolitik: Niemand könne beispielsweise erwarten, dass sich ins Land geholte ostanatolische Bauern, die kaum der eigenen Sprache mächtig sind, in Österreich problemlos integrieren. Sie sind nicht in der Lage, Deutsch zu lernen und sie können (und wollen) sich nicht mit dem hiesigen Wertesystem vertraut machen.

Die mobilitätsbereiten Menschen aus den 2004 beigetretenen EU-Ländern haben dagegen meist Facharbeiter- oder Maturaniveau und verfügen mehrheitlich über gute Deutschkenntnisse. Österreich wäre gut beraten, diese Menschen mit offenen Armen aufzunehmen und ihre Integration tatkräftig zu fördern.

Sobald sich die Einkommen in den ostmitteleuropäischen Ländern jenen in Österreich weiter annähern, wird die Mobilitätsbereitschaft nachlassen. Das ist bereits mittelfristig zu erwarten. Dann werden in Österreich Überalterung, daraus resultierender Fachkräftemangel und geringe Zuwanderung zusammentreffen und zur Wachstums- und Wohlstandsbremse.

Je schneller mit einer gezielten und offensiven Zuwanderungspolitik gegengesteuert wird, desto eher wird Österreich für kluge Köpfe und fleißige Hände aus aller Welt attraktiv sein.

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