"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Schneebrunzer-Arbeit"

Pfui Teufel. Schockierend, wie Richter über ihren Job und übereinander reden.

Wien (OTS) - Rache ist süß. Claudia Bandion-Ortner hat es zum Schluss ihrer Ministertätigkeit gewagt, den eigenen Berufsstand (ungeschickt) anzugreifen. Nun wurde der ehemaligen Justizministerin und früheren Star-Richterin ein Job als Leiterin einer Berufungsabteilung angeboten, wo sie nur mehr über Wirtshausschlägereien und Ladendiebstähle entscheiden darf. Anonyme Wiener Strafrichter bezeichnen dies laut Austria Presse Agentur übrigens als "Schneebrunzer-Arbeit". Danke, dass diese Bildungslücke nun auch geschlossen ist.
Bandion-Ortner war keine strahlende Ministerin. Trotzdem ist diese Demütigung nicht in Ordnung. Sind sich andere Minister überhaupt ihres Risikos bewusst? Darf der Gesundheitsminister als Ex-Krankenkassen-Obmann die Kassen kritisieren? Traut sich der neue Wissenschaftsminister und Uniprofessor, Leistungsdruck auf Lehrende auszuüben? Und ist nicht jeder sowieso verrückt, der in die Politik wechselt? "Schuster, bleib bei deinem Leisten", ist ein beliebtes Motto. Wer also die Nase hinausstreckt, dem strecken bei seiner Rückkehr dann oft die Daheimgebliebenen die Zunge entgegen. Das ist kleingeistig und fällt auf jene zurück, die so ihr Mütchen kühlen. Wer sich etwas (zu)traut, soll auch scheitern dürfen. (Bandion-Ortner im Interview, Seite 19.)

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