Textil- und Bekleidungsindustrie - Backhausen: "Rot-weiß-rote Produkte sind in aller Welt gefragt"

Textil-, Bekleidungs-, Schuh und Lederindustrie (TBSL) 2010 mit mehr Beschäftigten, mehr als 4 Milliarden Euro Jahresumsatz - Massiver Anstieg der Rohstoffpreise bereitet Sorgen

Wien (OTS/PWK295) - "Textilien und Bekleidung - diese Produkte
aus Österreich sind in aller Welt gefragt", zeigt sich Ing. Reinhard Backhausen, Präsident des Fachverbandes der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (kurz "TBSL") in der Wirtschaftskammer Österreich, erfreut. Gemeinsam mit Wolfgang Sima, Vorsitzender der Berufsgruppe Bekleidungsindustrie, und Josef Dutter, Vorsitzender der industriellen Wäschereien, zog der Fachverband TBSL mit Obmann Backhausen an der Spitze heute, Mittwoch, Bilanz über das abgelaufene Jahr 2010.

Insgesamt haben die vom neu fusionierten Fachverband Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie der WKÖ vertretenen 550 Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von mehr 4 Milliarden Euro erwirtschaftet", so Backhausen. Und weiter: "Die TBSL Branchen sichern derzeit in Österreich 24.100 Arbeitsplätze, das sind 6 Prozent der österreichischen Industriebeschäftigten. Erfreulich ist, dass der Beschäftigtenstand sogar ausgebaut werden konnte, etwa in der Textilindustrie."

Hier ein Blick auf die einzelnen Berufsgruppen innerhalb des Gesamtverbandes TBSL im Jahr 2010:

"Die deutliche Erholung der Textilindustrie gilt für alle drei Hauptbereiche, nämlich Bekleidungs- Heim- sowie technische Textilien. Der Branchenumsatz konnte 2010 um 11,1 Prozent auf 2,28 Milliarden Euro gesteigert werden. Die Exporte legten um 10,8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu. Die Anzahl der in der Textilindustrie Beschäftigten ist im Jahr 2010 um 12.530 Menschen oder 3,4 Prozent gestiegen", so TBSL-Fachverbandsobmann Backhausen, der auch Branchensprecher der Berufsgruppe Textilindustrie ist.

"In der Bekleidungsindustrie zeigt das Exportwachstum das Wiederanspringen der Branchenkonjunktur nach der Krise", führte Wolfgang Sima, stellvertretender Fachverbandsobmann-und Branchensprecher der Bekleidungsindustrie, aus: "Die Ausfuhren sind um 5 Prozent auf 1,785 Milliarden Euro gestiegen. Das trägt dazu bei, das Exportminus von 16 Prozent des Krisenjahrs 2009 teilweise wieder aufzuholen." Der größte Exportmarkt war auch 2010 wieder Deutschland (+7,3 Prozent auf 662 Millionen Euro), gefolgt von Frankreich, der Schweiz und Italien. Der Einbruch bei Exporten für den Hoffnungsmarkt Russland konnte 2010 erfreulicherweise gestoppt werden und lag bei 41 Millionen Euro (= +/- 0). Sima weist besonders darauf hin, dass die starken Erhöhungen der Rohstoffpreise - je nach Produkt - zu ein- bis zweistelligen Preiserhöhungen führen können.

"Insgesamt verzeichnen alle vier TBSL-Berufsgruppen auch heuer grundsätzlich wieder einen Aufwärtstrend", richten Backhausen und Sima den Blick auf die Gegenwart. Etliche Unternehmen sind nach wie vor damit beschäftigt, die Nachwirkungen der Krise bestmöglich in den Griff zu bekommen", so Backhausen. "Eine besondere Herausforderung stellen dabei auch die stark gestiegenen Rohstoffpreise dar", verdeutlicht Backhausen: "Vor allem die Preise für Baumwolle, aber auch für Wolle, Seide, Polyester und andere Materialien haben stark angezogen."

Dazu Backhausen, der die österreichische Textil- und Bekleidungsindustrie auf europäischer Ebene im "Board of Directors" des europäischen Dachverbandes EURATEX repräsentiert: "Der Fachverband TBSL fordert ebenso wie EURATEX von der Europäischen Union die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Vormaterialien für die Textil- und Bekleidungsindustrie. Da finanzstarke Länder wie China verstärkt Rohstoffe zur Stützung der eigenen Industrien aufkaufen, plädiere man für Marktüberwachungsmaßnahmen. Diese sollen bei Bedarf Grundlage für handelspolitische Maßnahmen der EU bilden." Darüber hinaus lehnen sowohl die gesamteuropäische wie auch die österreichische Interessenvertretung die geplante verpflichtende Einführung einer "Made in"-Kennzeichnung ab. Stattdessen bedürfe es einer Modernisierung des EU-Präferenzzollrechts für den Textil- und Bekleidungssektor.

Weiters hebt Backhausen hervor, dass bei der jüngsten EURATEX-Vorstandssitzung auch die Ausschreibepraxis in zahlreichen EU-Mitgliedsstaaten kritisiert wurde: "Oftmals wird in Ausschreibungen insbesondere öffentlicher Stellen zu wenig Wert auf die Vorteile europäischer Anbieter gelegt."

Eine Herzensangelegenheit sind der Interessenvertretung und ihrem obersten Repräsentanten die Themen Innovation und Nachhaltigkeit:
"Die Betriebe werden sich sowohl aus wirtschaftlichen Überlegungen, aber auch aus Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen, vermehrt z.B. mit dem Cradle-to-cradle-Prinzip befassen."

Im Rahmen der Pressekonferenz wurden den Vertretern der Medien auch Best-Practice-Beispielen für textile Innovationen (Stichwort :
Projekt "Smart-Textiles") präsentiert. Präsident Backhausen: "Mit solchen kreativen, multifunktionellen Produkten kann die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Markenproduzenten gegenüber billiger, überwiegend asiatischer Massenware abgesichert werden", hob Backhausen die hohe Qualität, Kreativität, Flexibilität und Zuverlässigkeit der heimischen (Textil-)Wirtschaft hervor. (JR)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie
Präsident: Ing. Reinhard Backhausen
Geschäftsführer: Dr. Franz J. Pitnik
Tel.: 05 90 900-4900
E-Mail: tbsl@wko.at
Internet: www.textilindustrie.at, www.tbsl.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0002