Industriekonjunktur: Optimismus mit Einschränkungen

Konjunkturelle Erholung hält an - fortgesetzter Beschäftigungsaufbau - zunehmender Gegenwind im internationalen Geschäft - stabile Kapazitätsauslastung

Wien (OTS/PdI) - Der konjunkturelle Aufwärtstrend in der österreichischen Industrie setzt sich fort. Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, steigt nochmals moderat von +34 Punkten im Vorquartal auf nunmehr +37 Punkte.

"Die österreichische Industrie fungiert weiterhin als Motor der konjunkturellen Erholung. Im Zuge einer kräftigen Expansion der Produktionstätigkeit in der Sachgütererzeugung im ersten Quartal 2011 und einer weiterhin steigenden Kapazitätsauslastung wächst auch die Investitionsneigung der Unternehmen allmählich wieder. Die Aussicht auf einen sich selbst tragenden Aufschwungs gewinnt damit an Kontur", hält Generalsekretär Mag. Christoph Neumayer das Hauptergebnis der IV-Konjunkturerhebung für das 1. Quartal 2011 fest. "Mehr als die Hälfte der Unternehmen, genau 55%, berichtet von einem aktuell wieder guten Geschäftsverlauf. Im Vergleich zu den während der letzten Aufschwungphase 2006/2007 erreichten Anteilen von bis zu 80% hat die Erholung allerdings noch nicht dieselbe Breite erreicht. Somit kann man für die Industriekonjunktur von einem Optimismus mit Einschränkungen sprechen."

Die Ergebnisse im Detail

Die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage in der Industrie hat sich nochmals um +6 Punkte auf +51 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit dem 1. Quartal 2008 verbessert. Die Erwartungskomponente mit Sechs-Monats-Horizont hingegen stagniert auf einem Niveau von +22 Punkten (nach zuvor ebenfalls +22 Punkten).

Dazu IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein: "Die Wachstumserwartungen liegen damit auf dem Niveau einer konjunkturellen Hochkonjunkturphase. Dieser Optimismus ist umso bemerkenswerter, als die konjunkturellen Störfaktoren sowohl an Zahl als auch an Bedeutung im ersten Quartal erheblich zugenommen haben. Angefangen von den Preissteigerungen bei Rohöl im Zuge tatsächlicher oder drohender Produktionsausfälle in Nordafrika und im arabischen Raum, der Erdbebenkatastrophe in Japan und ihren Folgen, der Aufwertung der europäischen Gemeinschaftswährung und dem Wiedereintritt in eine Phase geldpolitischer Straffung nimmt der konjunkturelle Gegenwind im internationalen Umfeld zu. Die Erholungsdynamik dürfte damit einstweilen ihren Plafond erreicht haben."

Die Auftragsbestände weisen derzeit einen geringfügig verbesserten Saldo von +55 Punkten nach +53 Punkten auf - mehr als die Hälfte (59%) der Unternehmen bezeichnet ihren Auftragsbestand wieder als gut, allerdings nimmt die Auftragsreichweite kaum mehr zu. Dies gilt besonders für den Auftragseingang aus dem Ausland, welcher sich im ersten Quartal 2011 eher verhalten entwickelte. Hier schlägt sich die zuletzt noch zunehmende Stärke der europäischen Gemeinschaftswährung dämpfend nieder, sodass der Saldo unverändert bei +49 Punkten verharrt. Dennoch wird das Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten weiterhin exportbegünstigend wirken. Lieferausfälle in einige Regionen werden voraussichtlich durch Mehrlieferungen in andere Regionen, nicht zuletzt aufgrund von Angebotsverknappungen aus japanischer Produktion, weitgehend kompensiert.

Die verbesserte Auftragslage übersetzt sich auf Sicht der kommenden drei Monate in eine neuerliche, wenngleich geringere Ausweitung der Produktionstätigkeit in der Industrie - der betreffende Saldo steigt von +30 auf +34 Punkte. Damit dürfte kurzfristig die Grenze der technischen Produktionsmöglichkeiten in einer Reihe von Unternehmen erreicht sein. Eine weitere Produktionsausweitung setzt sowohl eine breitere Basis der Erholung insbesondere in der Bauwirtschaft und der mit ihr verbundenen Branchen als auch eine stärkere Investitionstätigkeit in den wieder gut ausgelasteten Branchen voraus.

Der im Jahr 2010 einsetzende Beschäftigungsaufbau in der Industrie wird im kommenden Quartal nicht nur anhalten, sondern vorübergehend sprunghaft an Dynamik gewinnen (Saldo von +25 nach zuvor +3). Dessen ungeachtet trachten die Unternehmen weiterhin danach, die kriseninduzierten Verluste bei der Arbeitsproduktivität und den Lohnstückkosten wettzumachen.

Auf der Erlösseite sehen die Unternehmen vor dem Hintergrund hoher globaler Nachfrage im Durchschnitt weiter anziehende Verkaufspreise (Saldo +23 nach +16). Allerdings ist dieses Ergebnis weniger darauf zurückzuführen, dass ein steigender Anteil von Unternehmen Kostenüberwälzungen vorzunehmen vermag, sondern er liegt vor allem darin begründet, dass nunmehr nur noch jedes zwanzigste Unternehmen mit fallenden Verkaufspreisen in seinem Marktsegment rechnet. Hier schlägt zum einen die auch international bessere Kapazitätsauslastung preisstabilisierend durch, zum anderen wirkt die nach wie vor extrem expansive Geldpolitik deflatorischen Tendenzen entgegen.

Aufgrund der wieder über dem langjährigen Durchschnitt liegenden Kapazitätsauslastung hat sich die Ertragslage trotz anhaltend hohen Kostendrucks seit einem halben Jahr auf deutlich verbessertem Niveau stabilisiert (Saldo von +27 nach +24). Dieser aktuelle Befund entspricht Werten, wie sie vor der einsetzenden Aufschwungsphase Mitte des letzten Jahrzehnts zu verzeichnen waren, während in Hochkonjunkturphasen typischerweise doppelt so hohe Salden ausgewiesen werden.

Wenn sich die Ertragserwartungen der Unternehmen auf Sicht von sechs Monaten realisieren lassen (Saldo von +14 Punkten nach +20 Punkten), wird sich ihre Finanzlage trotz einer leichten Erwartungskorrektur in den kommenden Monaten weiterhin konjunkturkonform positiv und somit investitionsbegünstigend darstellen.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 423 Unternehmen mit mehr als 289.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible "Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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