DER STANDARD-KOMMENTAR "Die Kanten schleifen" von Michael Völker

Ausgabe vom 22.4.2011

Wien (OTS) - Werner Faymann und Josef Pröll verstanden einander anfangs prächtig. Am Schluss standen Misstrauen und Kränkung, Eifersucht und Konkurrenz, Zank und Hader, Krone und Kurier zwischen den beiden.

Auch Faymann und Michael Spindelegger verstehen sich derzeit sehr gut. So gut, dass man sich schon Sorgen machen muss: Droht Langweile bis zum Umfallen? Der totale Kuschelkurs? Leere Sprechblasen bis zur kompletten Sinnabstraktion? Die Verfaymannisierung dieser Republik?

So schlimm muss es gar nicht kommen. Bei aller Freundlichkeit wird Spindelegger ein Profil entwickeln müssen, das über gute Manieren hinausreicht, er wird die ideologischen Kanten schleifen und die unterschiedlichen praktischen Zugänge betonen müssen. Handlungsraum dafür ist ja ausreichend vorhanden: die Schule etwa oder das Bundesheer, die Leistung und die Gerechtigkeit.

Und ganz grundsätzlich hätten die Bürgerinnen und Bürger wohl auch nichts dagegen, wenn einmal richtig gearbeitet werden würde, immer am Thema entlang, da gibt es doch einiges auf der Reformagenda, mit konstruktiven Vorschlägen und vernünftigen Kompromissen.

Die nächsten Wahlen finden - regulär - erst 2013 statt, da könnten Faymann und Spindelegger die Keulen ruhig ein wenig stecken lassen und erst einmal den vielbeschriebenen Stillstand in Angriff nehmen. Und sich erst danach die Köpfe einschlagen, im übertragenen Sinn.

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