WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chinas Zentralbank ist machtlos - von Jochen Hahn

Inflation und Immo-Bubble werden fremdgesteuert

Wien (OTS) - Der Zinssatz für einjährige Ausleihungen in China beträgt derzeit 6,31 Prozent. Seit der Finanzkrise hat die chinesische Zentralbank vier Mal die Zinsen erhöht. Dem nicht genug, wurden auch schon mehrmals die Mindestreservesätze für Geschäftsbanken angehoben. Das Ziel, durch Liquiditätsentzug die stark expandierende Wirtschaft zu drosseln und die Inflation in Zaum zu halten, wurde bislang allerdings gänzlich verfehlt - die aktuellen Wirtschaftsdaten sprechen Bände: Die chinesische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 9,7 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet. Viel gravierender sind allerdings die Daten zur Teuerung:
Der Anstieg der Verbraucherpreise war im ersten Quartal mit 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der höchste seit fast drei Jahren. Die Nahrungsmittelpreise haussierten um elf Prozent. Die Anlageinvestitionen wuchsen im ersten Quartal um 25 Prozent, wobei besonders die Investitionen im Immobiliensegment mit 34 Prozent explodierten. In Wohnungen wurde sogar um 37 Prozent mehr investiert als im Vorjahresquartal.

All das kann mit einem Satz zusammengefasst werden: Die chinesische Zentralbank ist machtlos. Machtlos gegen die Teuerung. Machtlos gegen die sich immer weiter aufblähende Immo-Blase. Am Ende einer solchen Entwicklung steht immer ein großer Knall. Es dreht sich eigentlich nur um das Wann!

Einzig mit Blick auf Chinas Aktienmärkte könnte man geneigt sein, Wirkungen der strafferen Zinspolitik zu erkennen. Denn die Börse in Shanghai befindet sich bereits seit Sommer 2009 in einem moderaten Abwärtstrend. Diese Kursrückgänge sind allerdings nicht den höheren Zinsen geschuldet, sondern dem unfassbaren IPO-Boom, der naturgemäß dem Gesamtmarkt Liquidität abgräbt. Eine Zahl gefällig? Im ersten Quartal fanden weltweit 290 IPOs statt - 110 davon waren China zuzurechnen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Chinas Notenbanker müssen dem aktuellen Teuerungstreiben zwar nicht tatenlos zusehen, aus eigener Kraft wird man das Problem aber nicht lösen. Auch wenn wir uns hier wiederholen: Der entscheidende Mosaikstein zur Eindämmung der Inflation ist die US-Notenbank. Solange die Dollarschleusen sperrangelweit offen bleiben, wird sich weder die Rohstoff- und Lebensmittelhausse einbremsen noch der Liquiditätsstrom Richtung Emerging Markets zähflüssiger werden.

Daher: Spannend ist nicht, ob es knallt, sondern "nur" wo und wann es knallt. Wetten werden angenommen, dass der nächste Crash von China ausgeht.

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