Hohes Burnout-Risiko bei Ärztinnen und Ärzten 2

Spitalsärzte sind besonders gefährdet

Wien (OTS) - Im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer führte die Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Graz eine Untersuchung über das Burnout-Risiko bei Ärztinnen und Ärzten durch. Nach Aussage des Projektleiters, Univ.-Prof. Peter Hofmann, seien besonders gefährdet männliche Spitalsärzte bis 47 Jahre, vor allem jene, die sich in einer Ausbildung zum Facharzt befinden sowie Turnus- und Fachärzte. Nachtdienste und Notarzttätigkeit lassen das Burnout-Risiko weiter steigen. Auch Singles, denen der soziale und emotionale Rückhalt einer Partnerschaft bzw. einer Familie fehlt, sind deutlich stärker gefährdet.

"Dass speziell Spitalsärztinnen und -ärzte betroffen sind, ist leider nicht weiter verwunderlich", führte Dorner aus. Überlange Dienstzeiten, Nachtdienste, überbordende Bürokratie und Administration, die verbesserungswürdige Zusammenarbeit der einzelnen Berufsgruppen sowie Personalmangel würden der Spitalsärzteschaft schon seit Jahren das Leben schwer machen und seien als Hauptursachen für Burnout zu sehen. Dorner: "Neben den beruflichen sind auch private Stressfaktoren zu berücksichtigen - jüngere Kolleginnen und Kollegen, die sich mitten in der Familienplanung befinden, sind einer doppelten Belastung ausgesetzt."

Ein schwerwiegendes Problem seien ungeklärte Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in den Spitälern. Hier erweise sich die kollegiale Führung als "elementarer Stressfaktor" für die Ärztinnen und Ärzte. Dorner: "Wir müssen die Führungsverantwortung im patientennahen Bereich überdenken und neu strukturieren. Die Ärztinnen und Ärzte sind in den Spitälern zunehmend mit dem Umstand konfrontiert, dass sie die Letztverantwortung etwa auch für den Pflegebereich übernehmen müssen. Das ist aus organisatorischer Sicht und aufgrund der konkreten Anforderungen an die Führung eines medizinischen Betriebes kontraproduktiv."

Es bedürfe daher einer umsichtigen Spitalsreform, die das Hauptaugenmerk auf die im Spital tätigen Menschen lege anstatt auf die bloße Ökonomie. "Es sind nicht zuletzt Ökonomisierung, Rationalisierung und Effizienzsteigerung, die den aktuellen Zustand mitverschuldet haben", betonte der Ärztechef. Oberflächliche Maßnahmen zur Entlastung der Betroffenen seien reine Kosmetik, die Streichung von Dienstposten und extreme Rationalisierungen würden die Problematik weiter verschärfen. Dorner: "Dienstposten zu eliminieren mag zwar in der Jahresbilanz gut aussehen, aber für die verbliebenen Ärztinnen und Ärzte bedeutet die Entlassung von Kolleginnen und Kollegen zusätzlichen Stress und ein wachsendes Arbeitspensum. Die ÖÄK bringt für die belastenden Zustände in den Krankenhäusern seit Jahren Lösungsvorschläge zur Sprache, aber angesichts der aktuellen Pläne der Spitalsreform scheint es, als seien unsere Forderungen bislang ungehört verhallt." Es brauche flexible Arbeitszeitmodelle, spitalseigene Betreuungsplätze für Kinder und den Ausbau des niedergelassenen Bereichs. Auch die Führungsstrukturen in den Spitälern müssten angepasst werden: Die faktische Letztverantwortung der Ärzte im patientennahen Bereich müsse sich in den Führungsaufgaben klar niederschlagen und geregelt werden. Zur Entlastung der Spitalsärzteschaft von Administration und Dokumentation bedürfe es der flächendeckenden Installation von Administrationsassistenten; schließlich dürfe die durchgehende Dienstzeit 25 Stunden nicht überschreiten. Die Umsetzung dieser Maßnahmen bedeute einerseits eine Entlastung für die Spitalsärztinnen und -ärzte, andererseits auch mehr Qualität für die Patientinnen und Patienten, so Dorner.

Auch im niedergelassenen Bereich ist Burnout ein Thema. Speziell Journaldienste und Rufbereitschaft erweisen sich als Risikofaktoren, und auch hier ist man gegen überbordende Bürokratie und Dokumentation als Mitverursacher von Burnout nicht gefeit. Von Journaldiensten sind vor allem Landordinationen betroffen, deren gegenwärtige existenzielle Gefährdung man nicht hinnehmen dürfe, so Dorner. Der Beruf des Landarztes müsse aufgewertet und attraktiver gemacht werden, es bedürfe einer ausgewogenen Balance zwischen Niederlassungen und Spitälern, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung flächendeckend zu sichern - ohne dass die Ärztinnen und Ärzte an den Rand des Burnout gedrängt würden. Auf Wiener Ebene soll ein breit angelegtes Präventionsprojekt, durchgeführt von Univ.-Prof. Wolfgang Lalouschek, MedUni Wien, das Burnout-Risiko der niedergelassenen Ärzte nachhaltig reduzieren. (Schluss) sl

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