Späte Anerkennung einer wahrhaft menschlichen Tat Posthume Ehrung für Pfarrer Balthasar Linsinger

Wien (PK)- Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und der Botschafter des Staates Israel Aviv Shir-On luden heute zur posthumen Ehrung von Pfarrer Balthasar Linsinger als "Gerechter unter den Völkern" ins Parlament. In ihren einleitenden Worten meinte Nationalratspräsidentin Prammer, so erfreulich es sei, diesen besonderen Anlass im Hohen Haus begehen zu können, so
dürfe man darüber nicht vergessen, dass es viel zu wenige waren, die in der Zeit des Nationalsozialismus den erforderlichen Mut aufgebracht und Zivilcourage gezeigt haben. Das Beispiel von
Pfarrer Linsinger könne aufrütteln und sei ein Auftrag, die richtige Entscheidung für eine menschliche Zukunft zu treffen.

Der israelischen Botschafter Aviv Shir-On erläuterte, dass der Staat Israel keine Orden verleihe, mit der Auszeichnung
"Gerechter der Völker" aber den Respekt jenen Menschen gegenüber zum Ausdruck bringe, die Menschlichkeit und Respekt vor dem Leben
in einer Zeit bewiesen haben, in der ein solches Verhalten nicht selbstverständlich war. Er freue sich daher besonders, heute der Nichte von Balthasar Linsinger stellvertretend eine Medaille und Urkunde überreichen zu können.

In einer Lesung von Kammerschauspielerin Elisabeth Orth und einer Ansprache von Angelica Bäumer wurde die Persönlichkeit des
mutigen Priesters gewürdigt. Bäumers Vater, der Maler Eduard Bäumer, lernte den Pongauer Pfarrer Balthasar Linsinger (1902-1986) im Jahr 1942 kennen. 1944 wurde ihre Mutter Valerie, die
bis dahin nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen als "halbjüdisch" eingestuft worden war, zur "Volljüdin" erklärt. Die Gestapo übte daraufhin zunehmend Druck auf die Familie aus. Im August 1944 flüchtete Valerie Bäumer mit ihren drei Kindern aus Salzburg und wurde im Pfarrhof in Großarl aufgenommen. Damit sie und ihre Kinder keine Papiere vorweisen mussten, aus denen die jüdische Herkunft hervorgegangen wäre, wurden sie als Wiener Familie, die bei einem Bombenangriff alles verloren hatte, ausgegeben. Bis Mai 1945 fanden sie Schutz im Pfarrhaus in
Großarl.

Pfarrer Linsinger ging damit auch ein hohes persönliches Risiko ein, da er selbst seit 1940 wegen abfälliger Äußerungen über den Nationalsozialismus in Predigten und bei Hausbesuchen unter Beobachtung der Gestapo stand. Er war auch bereits einmal
verhaftet worden. Balthasar Linsinger, "ein einfacher, tief gläubiger Christ", habe aber nie viel Aufhebens um seine
"wahrhaft menschliche Tat" gemacht. Liebe zu Gott war für ihn
auch die Liebe zu den Menschen, und trotz Rügen von Seiten seiner Kirchenobrigkeit habe er sich auch unerschrocken für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt, erzählte Angelica Bäumer. In der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familiengeschichte habe sie die Verpflichtung gefühlt, sich für die Ehrung von Pfarrer Linsinger durch Yad Vashem einzusetzen.

Für die Moderation der Veranstaltung zeichnete die Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera, verantwortlich. Die musikalische Umrahmung gestaltete das Atlas Quartett Wien.
(Schluss)

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