"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Späte Erkenntnis" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 14.04.2011

Wien (OTS) - Der Rücktritt des Josef Pröll ist nicht nur die logische Konsequenz aus seiner schweren Erkrankung und der folgenden langen Absenz von der politischen Bühne. Sie ist auch die Folge frustrierender Erlebnisse in der Politik und in der eigenen Partei.

Wenn Pröll gestern bei seinem Abschied Stillstand in der politischen Entwicklung sowie das Fehlen von Anstand beklagt, hat er zweifellos Recht. Aber er hätte es mit in der Hand gehabt, durch Personalauswahl und klare Worte gegenzusteuern.

Insofern ist die Erkenntnis Prölls zwar richtig, aber sie kommt zu spät: Als ÖVP-Obmann und als Vizekanzler hätte Pröll schon vor seiner eindrucksvollen Abschiedsrede Zeichen setzen können. Das ist ihm zumindest gegen Ende seiner politischen Karriere nicht mehr gelungen, und das mag auch mit ein Grund gewesen sein, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen.

Hätte Pröll weitergemacht, so wäre das nur mit einem personalpolitischen Paukenschlag - also einer großflächigen Umbildung von Regierung und Partei - zielführend gewesen. Diesen Kraftakt erspart sich der gesundheitlich angeschlagene ÖVP-Obmann. Jetzt wird es an seinen Nachfolgern in Partei und Regierung liegen, die dringend notwendigen neuen Akzente zu setzen.

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