WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Cerberus ist die einzige Schwachstelle - von Robert Lechner

Was Post-Chef Pölzl seit eineinhalb Jahren macht, zahlt sich aus

Wien (OTS) - Von Warteschlangen auf Postämtern und dem gelben Zettel im Briefkasten abgesehen, gibt es kaum Dinge, die man der Post derzeit vorwerfen könnte. Ein gewisses Grund-Geraunze wird sich ohnehin nie abstellen lassen.

Mittlerweile müssen auch die schärfsten Kritiker eingestehen: Was CEO Georg Pölzl seit rund eineinhalb Jahren durchzieht, zahlt sich aus. Dazu kommt - was die Post wiederum gar nicht gerne hört - solider Rückenwind vom neuen Postmarktgesetz. Das ist so ausgefallen, dass große potenzielle Mitbewerber aus dem Ausland schon nach dem ersten Rechendurchgang ein etwaiges Österreich-Engagement sein lassen. Die Post macht dafür lieber die schwierigen Bedingungen auf dem heimischen Markt verantwortlich. Gelungen ist auch die Strategie, das Unternehmen sukzessive aus der Schusslinie der Politik zu nehmen. Hilfreich war dabei nicht zuletzt der sang- und klanglose Abgang des legendären Post-Gewerkschafters Gerhard Fritz. Der übergab den Betriebsrats-Sessel nach erheblichen Wahlverlusten im Herbst des Vorjahres an Helmut Köstinger.

Mit der geplanten massiven Aufwertung der Billig-Tochter Feibra steht auch schon der nächste Coup ins Haus. Die Firma ist neben dem Postmarkt-Gesetz Pölzls beste Waffe im Kampf gegen Konkurrenten auf dem seit Anfang des Jahres vollständig liberalisierten Briefmarkt. Feibra hat sich seit Jahren als "Zettelausträger" in Ballungsräumen etabliert, greift vor allem auf Subunternehmer in der Zustellung zurück und kommt damit auf einen Umsatz je Mitarbeiter von beeindruckenden 276.000 Euro. Womit bereits ein weiteres wichtiges Argument für die Feibra im Raum steht. Das Unternehmen ist für den Gesamtkonzern eine Art Referenzmodell, was eigentlich alles möglich sein könnte. In der gesamten Post liegt der Umsatz je Mitarbeiter nämlich bei vergleichsweise schlanken 94.000 Euro. Völlig klar, dass der eine oder andere McKinsey-Mann im Post-Management gerne mit solchen Berechnungen auf die Hebung möglicher weiterer Potenziale hinweist.

Somit ist die Post strategisch erstmals seit Jahren in fast allen Belangen exzellent aufgestellt. Als einzige mögliche Schwachstelle erweist sich derzeit der Vertrag mit der Bawag PSK. Im Falle eines Eigentümerwechsels bei der Bank hat die Post keine besonderen Rechte. Zur Gefahr könnte das werden, weil sich die beiden Unternehmen auf 500 gemeinsame Standorte festgelegt haben und niemand so richtig weiß, was Bawag-Eigentümer Cerberus wirklich anstrebt - außer eine hohe Fluktuation im Spitzenmanagement der Bank.

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