Blecha: Arbeitsreform statt Pensionsreform

PVÖ-Vorstand beschließt Zwölf Punkte-Programm "Gesund länger arbeiten"

Wien (OTS) - "Wir brauchen eine Reform der Arbeitswelt, brauchen altersgerechte und gesunde Arbeitsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer. Nur dann wird das faktische Pensionsantrittsalter steigen, nur dann wird länger arbeiten bis zum Regelpensionsalter möglich sein", erklärte Pensionistenverbands-Präsident Karl Blecha am Dienstag nach der Vorstandssitzung des PVÖ, der größten Interessensvertretung der Senioren in Österreich. ****

"Die Zahlen sind alarmierend und schockierend zugleich: "40 Prozent der Neu-Pensionisten eines Jahrganges kommen aus der Arbeitslosigkeit, 30 Prozent aus Krankengeldbezug. Nur 25 Prozent aus einer Erwerbstätigkeit", erläuterte Blecha.

Blecha: "Deshalb hat der Pensionistenverband ein Zwölf-Punkte-Programm beschlossen, das umfassend eine neue Qualität der Arbeit insbesondere für ältere Beschäftigte ermöglichen soll". Blecha will für dieses Programm Sozialminister Hundstorfer, allen 'Verbündeten# im Seniorenrat und natürlich auch die anderen Sozialpartner gewinnen. "Hier müssen alle ein einem Strang ziehen:
"Die Wirtschaft vor allem, die Arbeitnehmervertretungen, die Gesundheitspolitik, auch die Beschäftigten selbst. Alle gemeinsam müssen länger arbeiten ermöglichen. Dann ist auch die Finanzierung der Pensionen kein Thema mehr!", so Blecha.

Das Zwölf-Punkte Programm "Gesund länger arbeiten" des Pensionistenverbandes Österreichs:

1. Gesunde, altersgerechte Arbeit und Arbeitsgestaltung
+ ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze,
+ Gesunde und sichere Arbeitsbedingungen: Gefahrenverhütung, Arbeitszeit, Arbeitshygiene, Arbeitsklima
+ Reduktion der Kälte- und Hitzearbeitsplätze, Hebehilfen und Reduktion von Zwangshaltungen
+ Verringerung gesundheitsgefährdender Arbeitsstoffe
+ Erleichterung der physischen Arbeit durch Einsatz technischer Hilfsmittel
+ altersgerechte Schichtpläne, Arbeitszeit- und Pausengestaltung
+ Bewusstseinsbildung bei Führungskräften: Führungsqualität, Teamgeist, Leitbilder und Werte, Wissensmanagement, altersverträgliche humane Gruppenarbeit
+ Gesundheit und Kompetenz des Individuums fördern
+ Keine Altersgrenzen für interne Karrieren, Weiterqualifizierung und Kompetenzerweiterung, alternsgerechte Didaktik
+ Förderung eines Klimas der Anerkennung und Wertschätzung verschiedener Altersgruppen
+ Betriebliche Generationen-Balance

2. Verpflichtete betriebliche Gesundheitsvorsorge
+ Schwerpunkt der betrieblichen Gesundheitsförderung auf psychische Erkrankungen ("burn-out" = Nummer 1 bei Invaliditätspensionen, noch vor Stützapparat!)
+ inkl. Verstärkung und Vertiefung der Programme "fit2work" bzw. "Fit für Österreich"

3. Einschränkung gesundheitsschädlicher Arbeit (z.B. Schwerarbeit, Nachtarbeit) durch schrittweisen Ausstieg für ältere Arbeitnehmer

4. AMS-Beratungsangebot für Betriebe, um altersgerechte und Gesunde Arbeitsorganisation zu ermöglichen

5. Recht auf Reduktion der Arbeitszeit für ältere Arbeitnehmer
+ Neue Altersteilzeitmodelle - reduzierte Arbeitszeit z.B. bei Männern ab 62 (=Korridorpensionsalter mit Abschlägen) bis 65 (=Regelpensionsalter ohne Abschläge)

6. Malus für Arbeitgeber, die ältere Beschäftigte kündigen
+ z.B. Bei Kündigung eines älteren Beschäftigten durch den Dienstgeber: Verpflichtende Übernahme der Kosten der Arbeitslosigkeit durch den Dienstgeber für die ersten Monate (wer das Versicherungsrisiko herbeiführt, muss zahlen!)

7. Zuschüsse für Dienstgeber bei Weiterbeschäftigung gesundheitlich eingeschränkter Arbeitnehmer

8. Einführung eines Frühpensions-Monitoring - strukturiertes Erfassen aller Ursachen, Begründungen, Befundungen, Alter, Art der Erwerbstätigkeit, Firmenbranche bzw. Örtlichkeit der Frühpensionierungen um weitergehende Maßnahmen und Strategien zur Anhebung des Frühpensionsalters zu erarbeiten.

9. Einführung eines "Senior-Pools" beim AMS zur langfristigen Betreuung von ArbeitnehmerInnen über 40

10. Bei der Pensionsberechnung: Attraktivere Steigerungsbeträge ab 60 Jahre
In Österreich derzeit gleichbleibend 1,78 Prozent pro Jahr
Vgl. Finnisches Modell: Geringere (gleichbleibende) Steigerungsbeträge in den ersten Versicherungsjahren, stark ansteigende Steigerungsbeträge in den letzen fünf Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsalter (von 18 bis 52 Jahre: 1,5 Prozent; von 53 bis 62 Jahre: 1,9 Prozent; von 63 bis 68 Jahre: 4,5 Prozent;)

11. Verpflichtendes Hinweisen auf die höhere (weil weniger bis keine Abschläge, mehr Beitragsmonate) Pension bei Arbeit bis zum Regelpensionsalter im Beratungsgespräch durch die Pensionsversicherung

12. Abflachen der Lebensverdienstkurven
Die Einkommen der jungen Generation sind zu gering, da auch Familien-und Hausstandsgründung zu bewerkstelligen ist. Gleichzeitig gelten ältere Arbeitnehmer als "zu teuer".

Blecha hob die Fähigkeiten ältere Menschen hervor: Erfahrung, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, kommunikative Gesprächsführung, Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl, kritisches Denken, hohes Arbeitsbewusstsein, Stabilität und Loyalität zum Betrieb.

"Ältere Arbeitnehmer sind zu gut, zu wichtig und zu wertvoll, als dass man sie in die Frühpension abschiebt!" so Blecha abschließend. (Schluss) tg/mp

Rückfragen & Kontakt:

Pensionistenverband Österreichs, Andy Wohlmuth, Tel.: 0664-48 36 138

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