Wien setzt auf umfassende Sprachförderung

Besondere Unterstützung für SeiteneinsteigerInnen

Wien (OTS) - "Grundvoraussetzung für Integration,
gesellschaftliche Teilhabe und größtmöglichen individuellen Bildungserfolg ist, dass alle Menschen eine gemeinsame Sprache sprechen. Deshalb trägt Wien Sorge dafür, dass alle Kinder Deutsch verstehen und sprechen lernen", betonten heute Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch und Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl im Rahmen des Pressegesprächs von Bürgermeister Dr. Michael Häupl.

Das Wiener Spracherwerbskonzept umfasse eine Vielzahl von Maßnahmen: Angefangen vom 1+1-Fördermodell mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr und der Vorschule, über Förderkurse in der Volksschule bis hin zu unterstützenden muttersprachlichen Zusatzangeboten. "Ganz zentral ist für uns dabei, dass alle SchülerInnen, die als sogenannte "SeiteneinsteigerInnen" später in das österreichische Schulwesen eintreten, eine besonders intensive Förderung bekommen", so Oxonitsch und Brandsteidl. "Für diese umfassende Förderung sorgen die Sprachförderkurse für SeiteneinsteigerInnen an Wiener Volksschulen, KMS/Hauptschulen und in der Wiener Mittelschule."

Details zu den SeiteneinsteigerInnen-Kursen

Das Modell der Sprachförderung an den Wiener Volksschulen und KMS/Hauptschulen umfasst 11 Stunden pro Woche und ergänzt bestehende Maßnahmen wie das BegleitlehrerInnen-Modell oder den muttersprachlichen Unterricht. Das Besondere an diesem Konzept: Es ist speziell an Kinder mit einem außerordentlichen Status in dieser Schulart gerichtet. Zumeist handelt es sich hierbei um so genannte "SeiteneinsteigerInnen", somit SchülerInnen mit Migrationshintergrund, die ihre Schullaufbahn nicht von Anfang an in Österreich begonnen haben. Ein Großteil dieser Kinder verfügt über ein reines "Survival"- Deutsch und wird auf Basis eines Screenings, das an den Schulen erfolgt, der Sprach-Kompetenzstufe A1 (SeiteneinsteigerInnen-Anfänger) oder A2 (SeiteneinsteigerInnen-Fortgeschrittene) zugeordnet.

Ziel der Förderkurse ist es, diese Kinder möglichst schnell in die Kompetenzstufe B (Kenntnisse der deutschen Sprache sind vorhanden, noch kann jedoch nicht voll den Anforderungen des Lehrplans entsprochen werden) und letztlich die Kompetenzstufe C (dem Unterricht kann problemlos gefolgt werden) zu führen. Um dies zu erreichen, werden Sprach-Förderkursen von eigens geschulten LehrerInnen abgehalten. Die Kinder bekommen hier die Möglichkeit, in Kleingruppen intensiv die Grundlagen der deutschen Sprache zu erarbeiten. Sie werden dabei genau dort abgeholt, wo sie stehen und so rasch wie möglich fit für den normalen Unterricht gemacht.

Zielgruppe sind SchülerInnen mit außerordentlichem Status in der Volksschule oder KMS/Hauptschule. Derzeit werden ca. 3.600 Kinder, die auf Grundlage eines "Screenings" der (Sprach)-Kompetenzstufe A zugeordnet werden, in diesen Kursen betreut. Dreiviertel der Kinder erreichen das Ziel. Wenn sich die SchülerInnen in der Alltagssprache bewegen können, aber noch Unterstützung für die Umsetzung der Lehrplaninhalte benötigen, bekommen sie zusätzlich eine so genannte "nachhaltige Sprachförderung", das bedeutet ein weiteres Jahr Sprachförderung. Eine Verlaufsdokumentation führt über den Fortschritt der Kinder Buch. Dieser Beobachtungsbogen ist Grundlage der Förderdokumentation. Teilbereiche, die noch nicht beherrscht werden, sollen so gezielt trainiert werden. Am Jahresende melden die Sprachförderlehrer, in welcher Kompetenzstufe die Kinder sich befinden. Dies wird in der Schlussdokumentation festgehalten.

LehrerInnen, die im Rahmen dieser speziellen Sprachförderung Kinder nicht-deutscher Muttersprache unterrichten, bekommen auf das Konzept abgestimmte zusätzliche Fortbildungsveranstaltungen angeboten.

Methodisch orientieren sich Sprachförderkurse an der Tatsache, dass Schulanfänger der Kompetenzstufe A in der Regel noch nicht in der deutschen Sprache alphabetisiert sind und damit der Spracherwerb durch eine lebendige Methodik aus Sprechen und Hören erfolgen kann. Auch die Gestaltung des Unterrichts nimmt Bezug auf die konkreten Lebenswelten der Kinder. Durch die geringe Gruppengröße von maximal 15 Kindern (Minimumzahl 8) ist diese Form des Unterrichtens auch gut umsetzbar.

"Natürlich lösen diese Kurse nicht die gesamte Problematik, die sich bei einem so späten Eintritt von Kindern ohne ausreichenden Deutschkenntnissen ins österreichische Schulwesen ergibt, aber keine Frage: Die SeiteneinsteigerInnenkurse sind ein wichtiger Baustein einer intensiven Sprachförderung an Wiener Schulen", betonen Oxonitsch und Brandsteidl.

Sprachförderung auch in den Ferien

Sprachförderung wird darüber hinaus auch in den Ferien angeboten:
Das erfolgreiche Ferienprojekt "Sowieso mehr! Dein Sommer. Dein Wien" wird auch in den kommenden Sommerferien weitergeführt. Das Projekt bietet Wiener Kindern zwischen 7 und 14 Jahren die Möglichkeit, an Vormittagen ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und an den Nachmittagen zwischen einem sport- oder freizeitpädagogischen Programm zu wählen. Rund 1000 Kursplätze stehen zur Verfügung. Das Angebot können alle Wiener Kinder in Anspruch nehmen, deren Deutschnote "genügend" oder "nicht genügend" ist oder die in Deutsch nicht beurteilt wurden. Das Projekt wird von der MA17, Integration und Diversität, gefördert und in Kooperation von Interface Wien, Zeit!Raum und WAT durchgeführt.

Frühe Förderung im Kindergarten

"Ergänzend zu den Maßnahmen im Schulbereich ist die frühe Sprachförderung im Kindergarten eine weitere wichtige bildungspolitische Maßnahme", betont Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch. "Dabei erhalten Kinder im Rahmen des verpflichtenden Kindergartenjahres eine spezielle Förderung. Obwohl der Bund die Mittel für heuer nicht verlängert hat, wird diese frühe Förderung in Wien selbstverständlich weitergeführt. Ich hoffe, dass die jüngsten Aussagen von VP-Staatssekretärin Verena Remler über ein Wiederaufleben der Förderung ab 2012 rasch in die Tat umgesetzt werden!"

Derzeit hat Wien für die Sprachförderung in privaten und städtischen Einrichtungen 100 KollegInnen im Einsatz. Diese PädagogInnen sind speziell geschult und zusätzlich in Kindergärten tätig und fördern die Kinder in Kleingruppen. "Alle Kinder, die nach diesem Jahr Frühförderung noch nicht schulreif sind, werden ein weiteres Jahr in der Vorschule gefördert", betont Christian Oxonitsch. "Somit stellen wir sicher, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule kommt!"

Lesetest zur Steigerung der Sprachkompetenz

Ein Beitrag zur Steigerung der Sprach- und Lesekompetenz sind auch die Lesetests an Wiener Schulen, die bei der PISA-Wien-Konferenz im Jänner vereinbart wurden : "Mit diesen umfassenden Tests für Wiens SchülerInnen der vierten und achten Schulstufe, die gestern zu Ende gegangen sind, haben wir einen wichtigen Schritt gesetzt. Ziel der Tests ist es, den SchülerInnen individualisierte Orientierungshilfe zu geben und umgekehrt den LehrerInnen dabei zu helfen, den Unterricht noch gezielter entlang der Stärken und Schwächen der Kinder zu gestalten", betont Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl.

Derartige Lesetests seien österreichweit einzigartig und entsprächen ganz dem Kernauftrag der Schule, alle SchülerInnen beim Erlernen des Lesens und Schreibens zu unterstützen. Der Test wurde wissenschaftlich und logistisch vom BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens) unterstützt und vom Stadtschulrat in enger Kooperation mit den SchulleiterInnen durchgeführt. Die Ergebnisse des Testes liegen bis 17. Juni 2011 vor.

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Michaela Zlamal
Mediensprecherin Stadtrat Christian Oxonitsch
Tel.: +43 1 4000-81930
E-Mail:michaela.zlamal@wien.gv.at
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Matias Meißner
Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
Telefon: 01 525 25-77 014
E-Mail: matias.meissner@ssr-wien.gv.at

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