• 07.04.2011, 18:04:38
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Österreichs Forschung auf dem Prüfstand Aktuelle Aussprache im Forschungsausschuss des Nationalrats

Wien (PK) - In seiner heutigen Sitzung befasste sich der
Ausschuss für Forschung, Innovation und Technologie des
Nationalrats im Rahmen einer aktuellen Aussprache mit dem Rat für
Forschung und Technologieentwicklung. Zu diesem Behufe waren zwei
Experten als Auskunftspersonen geladen, Hannes Androsch, der
Vorsitzende des Rates, und Peter Skalicky, sein Stellvertreter.

Androsch erinnerte zunächst daran, dass der einzigartige Aufstieg
Europas der wissenschaftlichen Innovation geschuldet war. Durch
diese lebe der Durchschnittsbürger heute besser als ein Monarch
vor 200 Jahren. Diese Entwicklung müsse aber fortgeschrieben
werden, wolle man den Wohlstand auch für die Zukunft sichern. Die
österreichische Bundesregierung habe dem mit ihrer
Forschungsstrategie Rechnung getragen, doch die Wahrheit der
Absicht sei die Tat, wie Hegel meint, weshalb es unumgänglich
sei, dass nun entsprechende Umsetzungsschritte folgten. Es
brauche einen konkreten Zeitrahmen und die nötigen finanziellen
Mittel in diesem Bereich, um den Anschluss an das Spitzenfeld
nicht zu verlieren. Forschungskompetenz könne man nicht beim
"Schlecker" kaufen, qualifiziertes Personal habe seinen Preis.
Daher brauche es einen nationalen Basiskonsens und einen
entsprechenden Schulterschluss, um die gesteckten Ziele auch zu
erreichen.

Skalicky urgierte die Umsetzung der festgelegten Strategie und
warb für die Einsetzung einer diesbezüglichen Task Force. Die
Forschungslandschaft müsse dringend evaluiert werden, was
insbesondere für ihre Zersplitterung gelte. Eine hoch entwickelte
Forschungsstruktur sei die Grundlage für eine erfolgreiche
Forschungspolitik, meinte Skalicky.

Abgeordneter Kurt Gartlehner (S) zeigte sich erfreut, dass die
Finanzierung der Forschungsstrategie gewährleistet sei. Nun müsse
man die Strategie auch umsetzen, um die Forschungsquote zu
erhöhen. Es gelte, das heimische Potential zu nutzen, um
Österreich zu einem Innovation-Leader zu machen.

Abgeordnete Karin Hakl (V) interessierte sich vor allem für jene
Bereiche, die von Privaten übernommen werden könnten. Sie
thematisierte die Kooperation von Fachhochschulen und
Universitäten, zudem wollte sie wissen, wo international die
dynamischste Entwicklung sei, an der man sich ein Beispiel nehmen
könnte.

Abgeordneter Gerhard Deimek (F) fokussierte auf die Rolle der KMU
in der Forschung und erkundigte sich nach der Heimholung
österreichischer ExpertInnen nach Österreich. Abgeordneter Kurt
Grünewald (G) meinte, der Rat habe die Chance, durch begleitende
Kontrolle die Absichtserklärungen der Regierung auf ihre
Realisierung hin zu evaluieren. Abgeordneter Robert Lugar (B)
vertrat die Ansicht, man solle sich auf einige Punkte
konzentrieren, diese allerdings optimal erfüllen. Wolle man
optimale Forschungsergebnisse, so müsse die Politik entsprechend
agieren.

Abgeordnete Heidrun Silhavy (S) wies darauf hin, dass, wolle man
ein innovationsfreudiges Klima haben, es nötig sei, ein solches
entsprechend zu erwecken. Abgeordneter Martin Bartenstein (V) sah
Österreich im internationalen Vergleich auf hohem Niveau, doch
müsse man entsprechende Maßnahmen setzen, um weiter nach oben zu
kommen. Abgeordneter Christian Höbart (F) sagte, man werde die
gesteckten Ziele nicht erreichen, wenn man den privaten Sektor
nicht stärker einbinde, Abgeordneter Rainer Widmann (B) beklagte
das Fehlen adäquater Mittel, um die Ziele auch wirklich erreichen
zu können. Abgeordneter Alexander Van der Bellen (G) erklärte, in
drei Wochen, bei Vorliegen des neuen Bundesfinanzrahmens, werde
man sehen, was von diesen Plänen übrig bleibe. Es brauche
generell mehr Geld, sonst werde die Basis für künftige Innovation
unterminiert.

Abschließend hielt Androsch fest, der Rat wolle kein
Exekutivorgan sein, sondern Bewusstsein schaffen, damit die
erforderlichen Umsetzungsschritte auch gesetzt werden. Er
wiederholte die Forderung nach mehr Geld für die Forschung, denn
sonst würde Österreich im internationalen Vergleich zurückfallen.
Skalicky erinnerte daran, dass sich der Wert der Forschung nicht
immer gleich enthülle, weshalb man alle Forschungsbereiche
entsprechend finanziell unterstützen müsse. Zudem brauche es
Anreize für private Forschungsfinanzierung, denn derzeit sei die
Drittmittelforschung ein Verlustgeschäft.

Bundesministerin Doris Bures bezeichnete den Rat als für den
Wirtschaftsstandort von Österreich von großer Wichtigkeit, dies
umso mehr, als man zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten aus
Wirtschaft und Forschung für diesen Rat gewonnen habe, wobei der
Frauenanteil 60% betrage. Die Tätigkeit des Rates solle sich
unter anderem mit drei konkreten Aufgaben befassen: die
Verankerung von wissenschaftlicher und wirtschaftsnaher
Forschung, die nachhaltige Stärkung von Innovation und die
Förderung von direkter Kooperation von Wissenschaft und
Wirtschaft. Die Forschungsstrukturen sollten optimiert werden,
die festgelegten Forschungsmethoden gelte es umzusetzen, wofür
man 20 Mio. Euro mehr als im Vorjahr investiert habe. Verkehr,
Informationstechnologien, Energie und Umwelt sollten ebenso
Kernthemen für die Forschung sein, wie die intelligente
Produktion, gehe es dabei doch um Sachgüterproduktion, die den
Standort nachhaltig sichere. Die positiven Zahlen, etwa der
Anstieg bei den angemeldeten Patenten, belegten die Richtigkeit
der gewählten Strategie.

Bundesministerin Beatrix Karl sagte, der Forschungsrat erfülle
eine wichtige Funktion für die heimische Forschungslandschaft.
Dieser solle einen strukturierten Meinungsaustausch garantieren,
wobei folgende Schwerpunkte für ihr Ressort wichtig seien: die
Wissenschaftskooperation, die Universitätsforschung und die
Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Die heimische
Forschung habe besondere Kompetenzen, wie die jüngsten Erfolge
belegten, doch dürfe man sich darauf nicht ausruhen, sondern man
müsse danach trachten, auch in den anderen Bereichen exzellent zu
werden. Dazu sei die Bündelung der Kräfte, etwa durch gemeinsame
Nutzung der Forschungsinfrastruktur nötig.
(Fortsetzung Forschungsausschuss)

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