"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Ende der Privatsphäre"

Krankheit, Scheidung: Wie Politiker informieren sollten - und wie nicht.

Wien (OTS) - Geht die Öffentlichkeit das Krankendossier eines Spitzenpolitikers etwas an? Oder seine familiären Probleme? Oder seine sexuelle Neigung? Im Grunde nur dann, wenn es seine Handlungsfähigkeit einschränkt oder seinen politischen Aussagen widerspricht.
Der Umgang der ÖVP-Kommunikation mit dem kranken Chef ist allerdings schlicht unprofessionell. Da der Vizekanzler bis nach Ostern ausfällt, ist eine präzise Information über seinen Zustand relevant. Amerikanische Politiker tun dies üblicherweise mit einem sachlichen, medizinischen Presse-Communiqué. Josef Pröll lässt seinen Arzt hingegen lieber in einer Krawallzeitung sprechen (ohne dass man dort ernstlich Neues erfährt). Motto: Bevor die mich fressen, füttere ich sie lieber selbst. Auch Ex-Familienministerin Kdolsky war nicht gut beraten, ihre Scheidung per Tratschformat publik zu machen. Detto der einstige, ehekrisengeschüttelte Bundespräsident Klestil. Aber Politiker, die sich freiwillig dem Boulevard ausliefern, sollten sich nicht wundern, wenn sie den kärglichen Rest an Privatsphäre, der ihnen (und ihrer Familie) selbstverständlich zusteht, dann auch noch verlieren.

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