Tragödien im Mittelmeer: "EU darf nicht nur passiver Zuschauer sein"

Italienischer Erzbischof Forte: Politik von Sorge um eigenen Wohlstand bestimmt - Caritas für zeitlich begrenzte Aufenthaltsgenehmigung nordafrikanischer Flüchtlinge

Rom, 07.04.11 (KAP) Vor dem Hintergrund der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer, die sich vor der Küste Lampedusas ereignete, hat der italienische Erzbischof Bruno Forte hat den EU-Staaten eine Abschottung gegenüber Migranten aus Nordafrika vorgeworfen. Die Politik der europäischen Regierungen sei von der Sorge um den eigenen Wohlstand und der Angst vor dem Fremden bestimmt, kritisierte Forte in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Donnerstag-Ausgabe). Europa dürfe sich nicht auf die Rolle eines "passiven Zuschauers" beschränken und in Unbeweglichkeit verharren. Der renommierte Erzbischof der mittelitalienischen Diözese Chieti wies auch auf eine besondere Verantwortung der tunesischen Behörden sowie der italienischen Regierung zum Schutz der Flüchtlinge hin.

Unterdessen teilte der italienische Caritasverband mit, dass er über seine Einrichtungen landesweit rund 3.000 Plätze für Migranten zur Verfügung stellen kann. Nationaldirektor Vittorio Nozza bekräftigte gleichzeitig seine Forderung nach einer zeitlich begrenzten Aufenthaltsgenehmigung für Migranten aus Nordafrika. Dieser Status solle ihnen eine gewisse Bewegungsmöglichkeit innerhalb der EU gewähren, sagte der Leiter der katholischen Wohlfahrtsorganisation gegenüber der Turiner Tageszeitung "La Stampa" (Donnerstag-Ausgabe).

Nozza sprach sich auch für die Errichtung "humanitärer Korridore" durch die internationale Staatengemeinschaft aus, um die Flüchtlingsströme wirksamer kontrollieren und schützen zu können.

Der Caritasverband hat nach eigenen Angaben dem italienischen Innenministerium bereits vor sechs Wochen das Angebot unterbreitet, Flüchtlinge in kirchlichen Einrichtungen aufzunehmen. Diese Hilfe sei bisher aber nur in der Region Toskana in Anspruch genommen worden.

Das jüngste Schiffsunglück vor der Küste von Lampedusa mit möglicherweise mehr als 250 Toten sei eine "weitere Tragödie der Migration im Mittelmeer", berichtete unterdessen die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Donnerstag-Ausgabe). Die Gewässer vor Nordafrika entwickelten sich zunehmend zu einem "Meer der Verzweiflung".

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