Leitl: "Österreich für Arbeitsmarktöffnung sehr gut aufgestellt"

Experten schätzen Zuwanderungspotenzial auf 15.000 bis 25.000 Menschen - Zugewinn für Österreich aus Migration ab 1. Mai rund 900 Mio. Euro

Wien (OTS/PWK259) - "Österreich ist für die Arbeitsmarktöffnung ab 1. Mai sehr gut aufgestellt. Unsere Wirtschaft und unser Arbeitsmarkt sind in einer starken Verfassung. 2010 und heuer beträgt der Zuwachs an neuen Arbeitsplätzen in Österreich insgesamt rund 100.000", zeigte sich WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Donnerstag optimistisch. Auch die Ökonomien und Arbeitsmärkte unserer Nachbarländer seien intakt, "daher sind aus der Arbeitsmarktöffnung keine Umwälzungen zu erwarten. Niemand braucht Ängste und Sorgen zu haben." Am ehesten werde es Pendlerbewegungen im grenznahen Bereich geben. "Und hier kommen Kräfte, die wir brauchen, weil sie den Fachkräftebedarf unserer Betriebe decken und einen wichtigen Beitrag für den Wohlstand in Österreich und die sozialen Netze liefern".

Die Bundesregierung und die Sozialpartner hätten sehr gute Voraussetzungen für die Arbeitsmarktöffnung geschaffen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Rot-Weiß-Rot-Karte als zukunftsorientiertes Migrationsmodell. Mit der Rot-Weiß-Rot-Karte wird erstmals ein kriteriengeleitetes Zuwanderungsmodell eingeführt, das anhand von objektiven Kriterien wie Qualifikation, Berufserfahrung, Alter und Sprachkenntnisse transparent macht, unter welchen Voraussetzungen Menschen außerhalb der EU zuwandern können. Zudem werde das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping für Sicherheit sorgen, weil für Arbeit in Österreich österreichische Rahmenbedingungen gelten müssten, unterstrich der WKÖ-Präsident. "Wir wollen keine Dumping-Konkurrenz, sondern einen fairen Wettbewerb".

AMS unterstützt Betriebe über das Online-Portal EURES "Österreich hat die Zeit der Übergangsfristen klug genützt und sich auf die Arbeitsmarktöffnung vorbereitet", betonte Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich. So wurde der österreichische Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren schrittweise -nach dem jeweils vorliegenden Arbeitskräftebedarf - für die verschiedensten qualifizierten Berufsgruppen (z.B. Pflegepersonal, Metallarbeiter) geöffnet. Das AMS stellte allein über die sogenannte Fachkräfteverordnung rund 17.000 Arbeitsbewilligungen für Bürger aus den neuen Mitgliedstaaten aus.
"Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit rechnen wir mit einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot von 15.000 bis 25.000 Personen, rund die Hälfte der Arbeitskräfte wird in der Region Wien/Niederösterreich arbeiten, ebenfalls ein großer Teil im Burgenland und der Steiermark. Für Fachkräfte und Schlüsselkräfte aus den neuen EU-Staaten ist unser Arbeitsmarkt ja in Wirklichkeit bereits jetzt offen, daher werden ab Mai vor allem Personen mit mittlerer Qualifikation erwartet. Dabei wird es sich weniger um echte "Zuzügler", sondern vor allem um Tagespendler handeln, die von den vergleichsweise höheren Löhnen in Österreich und den niedrigeren Lebenserhaltungskosten in ihrem Heimatland profitieren. Am stärksten wird der Zustrom von den ungarischen Landsleuten genutzt werden, weniger stark von Tschechen und Slowaken, da dort in grenznahen Gegenden, wie beispielsweise in Bratislava, teilweise bereits selbst Arbeitskräfteknappheit herrscht", erklärte Kopf.

Lediglich 2 % aller europäischen Bürger leben und arbeiten nicht in ihrem Herkunftsland. Kopf: "Will man die europäische Idee verstärkt leben, so gibt es auch für die Arbeitsmarktverwaltungen Europas hier noch viel zu tun. In diesem Sinne begrüßt das AMS die Öffnung des Arbeitsmarktes." Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Ausland suchen, unterstützt das AMS über EURES - das online Portal der Europäischen Arbeitsmarktverwaltungen (http://eures.europa.eu). Europaweit finden sich aktuell bereits mehr als eine Million freier Stellen im EURES-Portal.

Deutschland und Österreich als Profiteure

Auch Timo Baas vom deutschen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet durch die Öffnung keine gravierenden Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Gesamtwirtschaft. "Österreich hat eine gute Wachstumsdynamik und einen flexiblen Arbeitsmarkt. Deshalb werden die Arbeitsmarkteffekte durch die Öffnung gering sein. Die Migranten und Tagespendler werden gut integriert werden." Die Migranten seien vergleichsweise jung und wiesen ein relativ hohes Bildungsniveau auf, geht aus Studien hervor, in denen Baas die ökonomischen Auswirkungen der Arbeitsmarktöffnung beleuchtet hat.

"Die einheimische Bevölkerung profitiert langfristig von der Zuwanderung, weil ihre Einkommen dadurch steigen". Die Beseitigung von Migrationsbarrieren im Zuge der EU-Osterweiterung hat das BIP der erweiterten EU den Analysen zufolge um 0,2 Prozent oder 24 Milliarden Euro erhöht. Baas: Auf Österreich entfällt damit ein Zugewinn durch die Migration ab 1. Mai von insgesamt rund 900 Mio. Euro."
Baas Fazit: "Insgesamt ist festzustellen, dass aufgrund der bereits vorweggenommenen Öffnung der Güter- und Kapitalmärkte Deutschland und Österreich ganz erheblich von der EU-Osterweiterung profitiert haben und jetzt - was die Deckung des Arbeitskräftebedarfs betrifft -weiter profitieren werden". (PM)

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