Handelsschulen: Senken der Schulabbrecherquote hat Priorität vor unüberlegter Einführung von Pflichtpraktika

Linz (OTS) - Die Handelsschule hat mit 56 Prozent die höchste Abbruchquote aller Schulen. Nur ein Drittel schafft den Abschluss ohne Klassenwiederholung, knapp 40 Prozent der Schulabbrecher/-innen steigen völlig aus dem Bildungssystem aus. Aber anstatt diese dramatischen Zahlen genauer zu analysieren, plant der Landesschulrat verpflichtende Praktika für Handelsschüler/-innen. Für die AKOÖ ist das eine falsche Maßnahme zum falschen Zeitpunkt, die zudem schlecht vorbereitet ist.

Hinter dem Schulversuch zur Einführung eines Pflichtpraktikums steht eine angedachte Lehrplanreform, die künftig Pflichtpraktika für alle Berufsbildenden Mittleren Schulen und Handelsakademien vorschreibt. Praktika sind grundsätzlich nicht schlecht: Viele Schüler/-innen machen das bereits freiwillig in den Ferien. Ein verpflichtendes Praktikum verbessert aber nichts am Unterricht in der Handelsschule und somit auch nichts am Ergebnis, nämlich der schlechten Erfolgsquote.

Ein verpflichtendes Praktikum schafft für Schüler/-innen aber ein neues Problem: Sie müssen einen Praktikumsplatz annehmen, ob sie wollen oder nicht. Und das zu nahezu allen Bedingungen, solange die Rahmenbedingungen für Praktika in den Kollektivverträgen noch nicht ausverhandelt sind. Völlig offen ist außerdem, ob es genügend geeignete kaufmännische Praktikumsplätze gibt, die die Ausbildung sinnvoll ergänzen. Der Schulversuch nennt keine Ziele des Praktikums, sieht keine pädagogische Unterstützung und Aufarbeitung der Praxiserfahrungen vor und hat keine Antworten, was geschieht, wenn kein Praktikumsplatz gefunden wird. Es ist unverantwortlich diesen Druck auf die Schüler/-innen der Handelsschulen auszuüben.

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: "Die Arbeiterkammer fordert vor der Einführung von Pflichtpraktika Gespräche mit den Sozialpartnern, eine Evaluierung der Ist-Situation, eine Abschätzung der arbeitsmarktpolitischen Wirkungen und ein tragfähiges pädagogisches Konzept. Gleichzeitig sind wir für einen Schulversuch für eine ganztägige Handelsschule, in der die Schülerinnen auch die Chance haben, die intensivere Betreuung zum Abbau von Bildungsdefiziten des Pflichtschulbereichs zu nutzen. Dieser Schulversuch hat in Vorarlberg und Niederösterreich schon große Erfolge."

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. Rainer Brunhofer
Tel.: (0732) 6906-2185
rainer.brunhofer@akooe.at
http://www.arbeiterkammer.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKO0001