Wiener Kinoförderung für "friends & family"

Eine Reaktion von Mag. Christof Papousek, Geschäftsführer Constantin Film Unternehmensgruppe, auf einen Kommentar von Peter Zawrel

Wien (OTS) - Der scheidende Geschäftsführer des Film Fonds Wien Peter Zawrel unterstellt in einem Kommentar unternehmerisches Kalkül bei der Schließung des Auge Gottes Kinos - eine Klarstellung und Aufklärung für die Steuerzahler scheint geboten.

Die verfehlte Stadtpolitik in den 90er Jahren führte zu einem Wildwuchs bei den Genehmigungen von Multiplexkinos in Wien. Das Ergebnis: elf Großkinos, die selbst bei bestem Filmangebot nicht entsprechend ausgelastet werden können.

In den 90er Jahren wurde von den Programmkinoprotagonisten eine neue Kinoförderung entwickelt, die kulturelle Aspekte viel mehr in den Vordergrund stellen sollte. Politisch motiviert und von der Ablehnung gegen wirtschaftlich erfolgreiche Großkinobetreiber geleitet, wurde dabei eine "lex Constantin" eingeführt, welche die "Basisförderung" auf maximal zwei Standorte je Betreiber beschränkte - natürlich gab es nur ein Unternehmen, das in Wien mehr als zwei traditionelle Kinostandorte betrieb. Die berechtigten Kinos durften fortan auch nicht mehr als vier Säle haben. Eine klare Diskriminierung etwa für Kinos wie das Auge Gottes mit fünf Sälen.

Es verblieb die "Projektförderung", die durch Juryentscheid quasi zur Gänze unter dem Freundeskreis der wenigen Alternativbetreiber aufgeteilt wurde. Initiativen von Großkinobetreibern wurden politisch getrieben stets abgeschmettert. So wurde etwa ein innovatives Konzept von Opernübertragungen live in die Kinos - das bei tausenden Menschen Begeisterung auslöst und neue Zielgruppen anspricht - kategorisch als "kommerziell" abgelehnt. Wiederum scheint es, als hätte die Genehmigung von Projektförderungen mehr mit dem Antragsteller als dem Projekt selbst zu tun.

Bezirkskino als Nahversorger

Nun wird aufgrund der Schließung des Auge Gottes beanstandet, dass man zu viele "Hollywood Filme" im Programm hatte und dies per se nicht unterstützungswürdig sei. Ein guter "James Bond" sollte eigentlich a priori nichts Verwerfliches für die Grätzelkultur sein, durch dieses Angebot wird auch die Abwanderung in die Großkinos eingedämmt. Nicht jeder legt permanent auf die digitale Großprojektion bei seinem Kinokonsum wert und bleibt auch mal gern "im Kino um die Ecke". Auch Familien-Blockbuster wie "Wickie", "Ice Age" oder "Shrek" stellen unseres Erachtens eine Bereicherung für die Menschen, die im fußläufigen Umfeld eines traditionellen Kinos leben, dar. Bei Durchsicht der Postings jener Menschen, die die Schließung des Kinos bedauern, sind sehr oft "Mainstream-Filme" genannt, die man nun nicht mehr in seinem Stammkino sehen kann.

Grundsätzlich besteht auch das Problem darin, dass von der Kulturpolitik und deren Einsagern nicht akzeptiert werden will, dass auch ein Unternehmen mit rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz und mehr als 1.000 Beschäftigten die Kriterien für eine Kinostandortförderung oder im Verleih-Bereich für die EU-Media-Verleihförderung erfüllen kann. Wenn dies der Fall ist, versucht man krampfhaft an den Kriterien zu schrauben, dass die Großunternehmen nicht mehr an die Förderungen herankommen. Warum sollte ein erfolgreiches Unternehmen, das gesetzeskonform viele Millionen Euro Steuern und Abgaben bezahlt, denn auch noch "belohnt" werden.

Der Wiener Gartenbaukino-Komplex

Die Tradition der Constantin Film Unternehmensgruppe gebietet, gewisse Verluste in Kauf zu nehmen, um Kinostandorte wie das Auge Gottes Kino "durchzubringen". Genau dafür wäre eine faire Aufteilung der Mittel der Wiener Kinoförderung hilfreich. Aber stattdessen verzerrt die Kinoförderpolitik den Wettbewerb noch weiter, indem in Wien hauptsächlich "Friends & Family" gefördert werden:

Das Stadtkino am Schwarzenbergplatz erhält von der Stadt Wien jährlich mehr als 300.000 Euro Direktsubvention. Und an das Gartenbaukino werden jährlich noch einmal rund 400.000 Euro an Direktsubvention bezahlt. Letzteres hat rund 35.000 Besucher pro Jahr - mit gerade einmal halb so vielen Zuschauern wie das Auge Gottes hat das Gartenbaukino gerade eine Auslastung von fünf Prozent. Das heißt:
pro Zuschauer werden im Schnitt knapp 11,50 Euro an öffentlichen Geldern zugeschossen. Das wurde vom Kontrollamt der Stadt Wien vor einigen Jahren kritisiert. Geändert hat sich nichts.

Eine gangbare Alternative wäre, dass die Stadt Wien um die 700.000 Euro bei bestehenden Kinobetreibern rund 88.000 Tickets um acht Euro kauft, um die dann 88.000 Menschen gratis ins Kino gehen. Dann müsste das Gartenbaukino nicht noch zwischendurch Blockbuster wie "The Dark Knight" oder "Inception" zeigen - was angesichts dieser Förderungssummen und des hohen kulturellen Anspruchs des Kinos nicht nachvollziehbar ist.

Es gibt natürlich jährlich im Herbst die Viennale, die ein herausragendes Festival in Europa ist und für Wien ein wichtiges kulturelles Ereignis darstellt. Die Viennale braucht verständlicherweise ein "Premierenhaus". Man fragt sich, warum die restlichen 50 Wochen des Jahres so viele Steuergelder für den Betrieb eines Hauses aufgewendet werden, das mit seinem Programm offensichtlich nur wenige Interessierte erreicht.

Die Constantin Film erhält für die drei Kinos Urania, Actor's und Artis rund 30.000 Euro an Kinoförderung im Jahr. Darüber hinaus hat die EU den Constantin Filmverleih im Rahmen des Media-Programms mit 300.000 Euro gefördert. Doch diese Gelder sind zweckgebunden für den Verleih von europäischen nichtnationalen Filmen und dürfen keinesfalls für andere Zwecke verwendet werden. Diese Gelder können also auch nicht für die Rettung eines Kinostandorts entwendet werden. Bei der Zweckgebundenheit von öffentlichen Geldern müsste sich der Noch-Filmförderer Zawrel als ehemaliger Vorsitzender der Wiener Kinokommission eigentlich auskennen.

Daher erzwingt nicht die Constantin Film die Schließung des Auge Gottes Kinos, sondern die einseitige Wiener Kinoförderung und -politik - auch wenn das Herr Zawrel nicht wahrhaben will.

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