Bunga-Bunga und weiter geht's - Leitartikel von Christian Jentsch

Silvio Berlusconi müsste angesichts der Vorwürfe sein Ende kommen sehen. Muss er aber nicht.

Innsbruck (OTS/TT) - Als milliardenschwerer Unternehmer und italienischer Regierungschef hat es sich Silvio Berlusconi fein gerichtet. Dass er mit den Gesetzen seines Staates dabei oft auf Kriegsfuß steht, soll dabei nicht weiter stören. Skandale und Affären pflastern seinen Weg, Verfehlungen gehören zu seinem politischen Alltag. Und trotzdem: Schon unzählige Male politisch totgesagt, lebt Berlusconi immer noch. Und wie. Er hat seinen Totengräbern im letzten Moment immer wieder eins ausgewischt. Zuletzt musste dies sein ehemaliger Weggefährte und jetziger Konkurrent Gianfranco Fini erkennen. Er versuchte Berlusconi vom Thron zu stoßen und kämpft nun selbst um sein politisches Überleben.

Nun, da sich Berlusconi wegen Sex mit einer Minderjährigen und Amtsmissbrauch wieder einmal vor Gericht verantworten muss, wird auch wieder einmal über sein bevorstehendes Ende orakelt. Doch Berlusconi könnte weit fester im Sattel sitzen, als dies seine politischen Gegner mutmaßen. Nein, nicht nur weil die Mitte-links-Opposition selbst mit Grabenkämpfen und der erfolglosen Suche nach einer Galionsfigur beschäftigt ist. Sondern vor allem, weil Berlusconis Weggefährten ihn nicht fallen lassen wollen. Viele haben viel zu viel zu verlieren, wenn ihr Übervater von der politischen Bühne abtreten sollte. Das gilt vor allem für seine Mitte-rechts-Partei "Volk der Freiheit". Das gilt aber auch für die Lega Nord als Koalitionspartner. Lega-Chef Umberto Bossi ist mit Berlusconi keineswegs auf Linie. Aber er weiß ihn für sich auszunutzen. Er braucht ihn, um seine föderalistischen Anliegen umzusetzen. Und am liebsten ist ihm dabei ein relativ schwacher Berlusconi. Eine Hand wäscht eben die andere. Da kann sich Berlusconi in der ersten Reihe ruhig die Hände schmutzig machen.

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