Offener Brief Entlassung Prof. Peter Weibel

Wien (OTS) - Herrn
Intendanten
Peter Pakesch
Geschäftsführung der
Universalmuseum Joanneum GmbH
Mariahilferstr. 2 - 4
8020 Graz

Sehr geehrter Herr Pakesch,
lieber Peter,

der Künstler Peter Weibel, seit vielen Jahren ordentlicher Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien, gilt als einer der wichtigsten Gegenwartsdenker und als Initiator vieler künstlerischer Innovationen. So etwa gründete er an der Angewandten 1984 die erste, höchst erfolgreiche Abteilung für Medienkunst im deutschsprachigen Raum. Seine Kenntnisse, Erfahrungen und originellen Ansichten zu Kunst und Wissenschaft sind weltweit geschätzt und anerkannt. Die unzähligen Ausstellungen, Vorträge und Publikationen sowie Auszeichnungen und Ehrungen sprechen für sich.

Zu all dem gehört die explizite Offenheit im Denken ebenso wie die kritische Reflexion von gesellschaftlichen Gegebenheiten. Gerade in der Kunst ist Kritik ein Grundelement von Kommunikation, was Dir, als eine seit vielen Jahren im Kunstbetrieb tätige Person, mit Sicherheit vertraut ist. Umso mehr ist es mir schwer vorstellbar, dass es gerade in der Kommunikation innerhalb des Systems Kunst keine andere Möglichkeit geben kann, als dem Prinzip der - wechselseitigen -kritischen Kommunikation zu entsagen anstatt Kritik zwar nicht zwingend zu akzeptieren, aber doch interpersonell zu reflektieren und daraus vielleicht Kreativität und neue Potenziale für die gesellschaftliche Wirkungsmacht von Kunst erwachsen zu lassen.

In kritischen Wortmeldungen in Medien erkennen viele Kulturschaffende ein probates Mittel, um gesellschaftlichen Fragwürdigkeiten und festgefahrenen Strukturen Transparenz zu verleihen. Offenes, ja öffentliches Formulieren von Kritik ist ein Grundrecht der angewandten Demokratie - die wir nicht mit angewandter Politik verwechseln wollen. Kritik ist angewandte Kunst.

Daher ersuche ich Dich, die angewandte Kunst der offenen und konstruktiven kritischen Kommunikation zuzulassen und die ausgesprochene Entlassung Peter Weibels in diesem Sinne zu überdenken. Der in den Medien angekündigte Kompromiss scheint mir ein guter Schritt in diese Richtung zu sein.

Mit besten Grüßen,

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

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