"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Schwächelnder Riese"

Der ÖGB leidet an Bedeutungsverlust. Aber das kann sich rasch ändern.

Wien (OTS) - Preisfrage: Wie heißt der Chef des österreichischen Gewerkschaftsbundes? So unbedeutend wie jetzt war der ÖGB schon lange nicht mehr. Das ist zunächst eine gute Nachricht: Denn es ist ja auch ein Zeichen dafür, dass es keine großen Arbeitskämpfe gibt, die Zeiten also eher gut sind und die Sozialpartnerschaft funktioniert. Der ÖGB ist (wieder) Teil von Regierung und Parlament, warum sollte er gegen die eigenen Leute opponieren? Und außerdem gibt es nichts Aufregendes, wogegen man zu Felde ziehen könnte, weil ja - noch - die Illusion vorherrscht, Österreich hätte keinen ernsthaften Reformbedarf. Schuldenkrise? Nie gehört. Immerhin wird jetzt wenigstens im Bildungsbereich verhandelt. Aber bei Pensionen oder Bürokratieabbau geht zu wenig weiter - was durchaus ein dickes Ende haben könnte. Inklusive sichtbarer Gewerkschaften.
Doch für große Kampagnen fehlt dem ÖGB noch immer Geld, deswegen pumpte er gerade die Einzelgewerkschaften an. Er leidet an Mitgliederschwund und wirkt trotz nagelneuer Zentrale manchmal ziemlich verstaubt. Erich Foglar hat den Laden finanziell saniert. Jetzt braucht er nur noch ein Thema. Wenn der Mann nur nicht gar so spröde wäre!

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