Impfskepsis gefährdet Volksgesundheit

20 Jahre Impftag: Erfolge und Grenzen des Impfwesens

Wien (OTS) - Impfen ist die erfolgreichste Strategie der Medizin
im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Dennoch scheint es neben den großen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Erfolgen, die Impfungen bereits gebracht haben, auch Grenzen und Widerstände zu geben. Durch eine zunehmende Impfmüdigkeit oder Impfskepsis sinkt die Durchimpfungsrate. Viele Personen erkranken wieder an schweren Infektionen, wie am Beispiel von Masern und Röteln ersichtlich wird. Dadurch kommt es zu einer Renaissance schwerer Infektionskrankheiten in Österreich.

Impfungen lebensnotwendig für Risikogruppen

Besonders Risikogruppen (wie Schwangere, Tumorpatienten, chronisch Kranke, Autoimmunkranke etc.) stehen unter einem erhöhten Infektionsrisiko und sind daher eine besondere Zielgruppe für eine adäquate Impfversorgung. "Diese Risikogruppen profitieren zum einen besonders von der guten Durchimpfungsrate der gesamten Bevölkerung und dem kollektiven Impfschutz, zum anderen ist ein ausreichender Individualschutz essentiell zur Krankheitsverhinderung bei direktem Erregerkontakt", so Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Vorstand des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Medizinuniversität Wien.

Die derzeit bestehenden Impfempfehlungen für Risikopatienten beruhen vorwiegend auf theoretischen Überlegungen und zu geringer Datenlage. Daher ist die Impfcompliance von Seiten der Patienten -aber auch der Ärzte - oftmals nicht sehr hoch, und führt zu einer unzureichenden Impfversorgung dieser Risikopatienten. Unbestritten ist aber, dass bei diesen Personengruppen besonderes Augenmerk auf eine adäquate Impfversorgung gelegt werden muss. Auch wenn nicht in allen Fällen ein vergleichbar hoher Impfschutz wie bei gesunden Personen erreicht werden kann, so kann dennoch Verlauf und Dauer einer Infektion auch mit einem suboptimalen Impfschutz verringert werden. Fragen die auf der Basis der Evidenz-basierten Medizin zu klären sind, sind der richtige Zeitpunkt einer Impfung im Rahmen laufender Therapien oder während der Schwangerschaft, Dauer des Impfschutzes und welche Impfstoffe (adjuvierte Impfstoffe) bevorzugt für Risikogruppen einzusetzen sind.

Warum Impfen sinnvoll ist

"Die Akzeptanz von Impfungen sinkt in unserer Gesellschaft. Wir fürchten uns nicht mehr vor der Krankheit, sondern viel mehr vor den (seltenen und meist harmlosen) Nebenwirkungen der Impfung", gibt Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann, Leiterin der Abteilung für Angewandte Medizinische Virologie, Department für Virologie, Medizinischen Universität Wien, zu bedenken. Eltern werden von Impfskeptikern und negativen Medienberichten verunsichert. Es gibt Gruppen, die Impfungen aus religiösen oder philosophischen Gründen ablehnen. Diese nicht geimpften Populationen sind häufig Ausgangspunkt von Epidemien.

Es kann nicht oft genug betont werden, dass Impfungen zu den wirksamsten Vorsorgemaßnahmen zählen. Sie haben nicht nur einen positiven Einfluss auf die geimpfte Person, sondern auch auf die Volkswirtschaft. Mit einer Impfung und dem dadurch entstandenen Impfschutz erspart man den Geimpften eine lebensbedrohliche Krankheit und der Allgemeinheit die oft hohen Kosten der Krankenbehandlung.

Statt Elimination bis 2010 leider noch immer hochaktuell:
Masernerkrankungen

Jedes Kind kann heute gegen Masern, Mumps oder Röteln geimpft werden. Doch nicht alle Eltern schließen sich den Impfempfehlungen an. Viele impfmüde Mütter und Väter nehmen die gefährliche Erkrankung ihres Kindes bewusst in Kauf oder fördern sie sogar. Masern sind allerdings keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine gefährliche Infektionserkrankung. Der Erreger, das Masernvirus, ist hochinfektiös und wird praktisch immer klinisch manifest. "In den Statistiken der WHO zählt Österreich mit der Schweiz und Deutschland zu den Top Ten der Länder mit hohen Zahlen an Masern-Neuerkrankungen", bedauert Holzmann.

Laut WHO waren die Masern im Jahr 2000 weltweit mit 733.000 Todesfällen für fast die Hälfte der durch Impfung vermeidbaren Todesfälle im Kindesalter verantwortlich. Obwohl diese Zahl durch große Impfaktionen in den Entwicklungsländern auf 164.000 im Jahr 2008 gesenkt werden konnte, zählen die Masern auch heute noch zu den führenden Erkrankungen mit Todesfolge in dieser Altersgruppe. Gemeinsam mit anderen Gesundheitsorganisationen hat die WHO dieser Erkrankung daher den Kampf angesagt. Zwischen 2000 und 2008 wurde die globale Masern-Mortalitätsrate um 78 Prozent gesenkt. 4,3 Millionen Todesfälle konnten in diesem Zeitraum verhindert werden.

Herausforderungen der Zukunft

In vielen Ländern Europas (Ausnahme Nordeuropa) sind die Durchimpfungsraten nicht ausreichend hoch, um die Wildviruszirkulation zu unterbrechen. Dadurch wurde das Ziel der Masernelimination in Europa bis zum Jahr 2010 nicht erreicht. Noch immer sind wir mit großen Masernausbrüchen in Westeuropa konfrontiert. In den Statistiken der WHO zählt Österreich mit der Schweiz und Deutschland zu den Top Ten-Ländern mit hohen Zahlen an Masern-Neuerkrankungen. Während sich bei uns die Durchimpfungsraten bei den Kleinkindern auf Grund der Impfprogramme bessern, bestehen noch immer große Impflücken bei den 15- bis 30-Jährigen. Dies zeigten stets die Masernausbrüche der jüngsten Vergangenheit.

"Wenn wir das Ziel der Masernelimination bis zum Jahr 2015 erreichen wollen, brauchen wir eine verantwortungsvolle Berichterstattung, eine Aufklärung der Bevölkerung in Bezug auf die Masernerkrankung und die Vermeidbarkeit durch Impfung, eine Erhöhung der Durchimpfungsraten und vor allem den politischen Willen zu zusätzlichen Impfkampagnen für junge Erwachsene", so Holzmann.

20 Jahre Impftag

Der Österreichische Impftag feiert unter dem Motto "Dem Impfwesen verpflichtet" am 9. April 2011 in Salzburg sein 20-jähriges Jubiläum. Heute ist der Impftag die wichtigste Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Apotheker zum Thema Impfen. Beide Gesundheitsberufe gleichermaßen zu berücksichtigen, war die Ursprungsidee des Gründers Prof. DDr. Ernst-Gottfried Huber, Primarius an der Kinderklinik Salzburg. Professor Huber hat sich schon früh für das Thema Impfen eingesetzt und als einer der ersten die Rötel-Impfung propagiert. Der engagierte Arzt erfand den Impftag und war Gründer des Grünen Kreuzes, der Träger-Organisation des Impftags.

Ziel des Impftags ist die Verbreitung von Wissen über das Impfwesen. Der Impftag wird jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, der Österreichischen Ärztekammer und der der Österreichischen Apothekerkammer abgehalten. Das Konzept des Impftags ist dermaßen erfolgreich, dass mittlerweile in vielen Bundesländern zusätzlich lokale Impftage für Ärzte zu Apotheker stattfinden. Nähere Informationen unter www.gruenes-kreuz.org

Impfaktionen in der Apotheke

Apothekerinnen und Apotheker spielen seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle bei der Information über die Notwendigkeit von Impfungen und administrieren seit Jahrzehnten das Kinder-Gratis-Impfprogramm. "Die Impfaktionen in den Apotheken helfen mit, die Impfraten stabil zu halten bzw. zu erhöhen", sagt Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer. Hepatitis, FSME und Keuchhusten sind aufgrund groß angelegter Impfkampagnen deutlich seltener geworden. "Das ist für uns ein Ansporn, auch weiterhin Impfaktionen in den Apotheken durchzuführen," so Körner.

Auch 2011 laufen wieder etliche Impfaktionen in den Apotheken. Alle Aktionen zeichnen sich dadurch aus, dass die Impfstoffe im Aktionszeitraum preisgünstiger angeboten werden. Dabei verzichten die Apotheker auf einen großen Teil ihrer Spannen.

Impfaktion gegen Meningokokken: 1. März bis 30. September Impfaktion gegen Hepatitis: 1. April bis 31. Mai
Impfaktion gegen FSME: 1. Jänner bis 31. Juli
"Frisch dich auf"-Impfaktion für junge Erwachsene (Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung und Keuchhusten): 1. Mai bis 30. Juni.
Für Herbst werden wieder Impfaktionen gegen Pneumokokken und Influenza vorbereitet.

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