"erLesen" - die TW1 Büchersendung - am 6. April um 19:15 Uhr

Einsteins Assistent Walter Thirring, Reproduktionsmediziner Johannes Huber, Schriftsteller Michael Stavaric sowie Schauspielerin Maria Bill sind zu Gast bei Heinz Sichrovsky.

Wien (OTS) - Hat die Welt einen Architekten? Darüber haben sich
der Physiker Walter Thirring und der Reproduktionsmediziner und Theologe Johannes Huber in ihrem Buch "Baupläne der Schöpfung" Gedanken gemacht. Eine Auseinandersetzung mit Naturwissenschaft und Religion, wie sie spannender nicht sein könnte. Das Buch steckt die Grenzen ab zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir glauben. Als erste Gäste bei "erLesen" sprechen die führenden Wissenschaftler über die Entwicklung des Universums und Weltuntergangsszenarien nach der Katastrophe von Japan.

"Physik ist wie sie ist", betont Thirring, der letzte noch lebende Assistent Albert Einsteins und Erwin Schrödingers. "Die Gesetze der Natur müssen wir hinnehmen, wie sie sind. Was wir allerdings daraus machen, ist unsere Sache." Die zweite derzeit verheerend beleumundete Wissenschaft ist die Gentechnologie, Hubers Spezialgebiet: "Es kommt nicht auf die Wissenschaft an, sondern wie die Menschen sie verwenden - und ohne Gentechnologie wäre die Medizin sehr verarmt." Auch das langsame Aussterben der Menschheit wird in "erLesen" thematisiert -was für Huber mit der Zunahme der Unfruchtbarkeit zu tun hat. Diesbezüglich verrät er, warum auch Männer nicht mehr das sind, was sie früher einmal waren.

Walter Thirring wurde am 29. April 1927 als Sohn des Physikers Hans Thirring in Wien geboren. Bedingt durch die chaotischen Zustände des Zweiten Weltkrieges konnte er ohne Reifeprüfung in Innsbruck und Wien Physik studieren. Mittlerweile zählt er zu den renommiertesten Forschern der Welt. Er war Direktor im europäischen Kernforschungszentrum CERN und arbeitete u.a. an der ETH Zürich. Thirring ist physikalischer und populärwissenschaftlicher Bücher -u.a. schrieb er mit Cornelia Faustmann das Buch "Einstein entformelt".

Johannes Huber wurde am 31. Mai 1946 in Bruck an der Leitha geboren, besuchte das Bundesgymnasium Hollabrunn und studierte Theologie sowie Humanmedizin in Wien. Der anerkannte Wissenschaftler war von 1973 bis 1983 als persönlicher Sekretär von Kardinal Franz König tätig. Im Bereich der Medizin spezialisierte er sich auf Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Mittlerweile leitet er die Klinische Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universität Wien. Besondere Bekanntheit erlangte er durch Vorträge, Kurse und mehrere Bücher u.a. über Anti-Aging.

Endzeitszenarien auch im weiteren Verlauf der Sendung

Heinz Sichrovskys zweiter Gast ist Michael Stavaric, einer der spannendsten österreichischen Autoren der jüngeren Generation. Ob als Kinderbuchautor, Ghost-Writer, Essayist, Herausgeber, Übersetzer oder Lehrer für Extremrollschuhfahren - der 39-jährige Autor hinterlässt an vielen Stellen seine Spuren. Bei "erLesen" spricht er über endzeitliche Zustände und weshalb Poesie und Physik einander ergänzen. Die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderung erklärt er folgendermaßen: "Damit auch wieder Neues entstehen kann." Er fragt sich allerdings, wohin sich die Spezies Mensch entwickeln wird. Nicht zuletzt wird die Natur zum Thema gemacht, denn nicht nur in Stavarics aktuellem Roman werden Mensch und Natur immer öfter in Disharmonie dargestellt.

Stavaric arbeitet gerne mit Ironie, seine Protagonisten sind meist Außenseiter. Einer dieser Außenseiter scheint wohl auch der namenlose Ich-Erzähler seines neuen Romans "Brenntage" zu sein. Nach dem Tod der Mutter zog dieser zu seinem Onkel in eine von Bergen und Schluchten umgebene Siedlung. Was geschieht, als die abgeschiedene Siedlung durch ein großes Feuer in Schutt und Asche gelegt wird, beschreibt Michael Stavaric in schillernd-poetischer Sprache.

Michael Stavaric wurde am 7. Jänner 1972 in Brno geboren und emigrierte im Jahr 1979 mit seinen Eltern nach Österreich. Ursprünglich wollten sie nach Kanada auswandern, ihr Schicksal brachte sie allerdings in das niederösterreichische Laa an der Thaya. Stavaric studierte Bohemistik und Publizistik und lebt mittlerweile als freier Schriftsteller in Wien. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er für seinen im Jahr 2006 erschienenen Debütroman "stillborn" den oberösterreichischen Buch.Preis 2007.

Letzter Gast in Heinz Sichrovskys Bücherwelt ist eine begnadete Sängerin und Schauspielerin, die seit 1982 den früh verstorbenen französischen Weltstar Edith Piaf und ihre großen Erfolge auf der Bühne zum Leben erweckt: Maria Bill interpretiert grandios den "Spatzen von Paris" und ist die wichtigste Stütze im Ensemble ihres Ehemannes, des Volkstheaterdirektors Michael Schottenberg. Bei "erLesen" erzählt sie, weshalb sie sich von Texten erobern lässt. Nur so könne man bei deren Interpretation auch das Publikum erobern.

Zudem enthüllt sie die Schwierigkeiten, als Legasthenikerin einen Text zu erlernen und ihre persönlichen Strategien dorthin. Atomkraft beschreibt sie als eine Art Weltkrieg: "Wir haben etwas geschaffen, das wir nicht mehr beherrschen." Hingegen schwärmt sie von der Musik:
"Musik ist beruhigend. Musik hat die Möglichkeit, Wunder zu vollbringen und einen schönen Moment zu verlangsamen."

Maria Bill wurde am 15. November 1948 in der Schweiz geboren, begann im Alter von 23 Jahren am Zürcher Theater am Neumarkt ihre Theaterkarriere. Nach der Schauspielakademie in Zürich besuchte sie die Theaterschule Jacques Lecoq in Paris. Seit 1978 spielte sie am Theater in der Josefstadt und am Wiener Burgtheater und arbeitet jetzt fest am Volkstheater. Bekannt ist sie nicht zuletzt durch ihre Rollen in den Fernsehserien "Kottan ermittelt" und "Trautmann". Zudem spielte sie die Hauptrolle u.a. in "Das Geheimnis".

Als Gastrezensent debütiert der Herausgeber des Popmagazins "The Gap" Thomas Weber. Er hat "Adams Erben" von Astrid Rosenfeld gelesen.

Sendezeiten:
Erstausstrahlung: Mittwoch, 6. April 2011 um 19:15-20:15 Uhr
Weitere Ausstrahlungen: Do, 7.4.2011 um 22:45-23:45 Uhr, Fr, 8.4.2011 um 16:05-17:05 Uhr, Sa, 9.4.2011 um 23:45-00:45 Uhr und So, 10.4.2011 um 18:05-19:05 Uhr

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