Dallinger Symposium (2): Polen - Schulreform mit hohem Tempo

Polnische Bildungs-Unterstaatsekretärin Jaron: Spätere Trennung der Kinder entscheidend für den Bildungserfolg

Wien (OTS) - "Bei uns war entscheidend, dass wir die gemeinsame Ausbildung der Kinder verlängert und den Unterricht auf neue Beine gestellt haben." So beschreibt Lilla Jaron, Unterstaatsekretärin im polnischen Bildungsministerium, auf dem Dallinger-Symposium den Kern der Bildungsreform in ihrem Land: 1999 wurde die bisher achtjährige Grundschule für alle um zwei Jahre verkürzt - und die damals 12-Jährigen kamen sofort in eine neue, dreijährige Mittelstufe namens "Gimnazjum". Dadurch, so Jaron, konnte die Selektion beim Übergang in die nachfolgenden Bildungsgänge gemildert werden. Der Erfolg: Beim internationalen Schulvergleich PISA holte Polen rasch auf. Heute machen fast drei Viertel der polnischen SchülerInnen mit 18 Jahren die Matura.

In Polen hatte man sich bereits vor dem PISA-Test darauf verständigt, das Schulsystem rasch und grundlegend umzubauen, berichtet Jaron. Deshalb löste es keinen Schock mehr aus, dass die polnische Schule beim ersten internationalen Schulvergleich im Jahr 2000 nur im unteren Drittel lag. Stattdessen wurde zügig am Umbau der Schule gearbeitet. Auf sechs Jahre gemeinsame Grundschule folgen jetzt drei Jahre Gimnazjum für alle 12- bis 15-Jährigen. Das Gimnazjum ist nicht selektiv, Schwächere sollen von den Stärkeren lernen. Erst danach entscheiden sich die SchülerInnen für das ebenfalls dreijährige Lyzeum, die Fachoberschule oder die Berufsschule. Die ersten zwei Bildungsgänge schließen mit der Matura ab. Wobei in Polen Schulpflicht bis 18 ist und die AbsolventInnen der Berufsschule die Matura jederzeit nachholen können.

Zusätzlich zur Struktur der Schule wurde auch die Art geändert, in der unterrichtet wird. Die Lehrprogramme wurden darauf ausgerichtet, dass den SchülerInnen Kompetenzen vermittelt werden sollen, nicht einfach Lehrstoff, der auswendig gelernt werden muss. Prüfungen wurden danach ausgerichtet, dass die SchülerInnen den durchgenommenen Lehrstoff selbstständig anwenden. Seit 2009 gibt es ein neues Basis-Lehrprogramm für die Allgemeinbildung in der Mittelstufe und den darauf folgenden Schulen. Dieser Kompetenzkatalog wurde dabei an die Anforderungen des EU-Qualifikationsrahmens angepasst.

Von Anfang an wurde den Schulen überdies weitgehende Autonomie bei der Gestal-tung der Lehrprogramme gegeben. Jaron: "Wir schreiben keine Unterrichtsformen und Methoden vor. Die kompetenzorientierten Lehrprogramme und Prüfungsstandards för-dern die neue Unterrichtsgestaltung, die auch in der Lehrerausbildung immer wichtiger wird." Gefördert werden insbesondere aktivierende Unterrichtsmethoden wie Gruppen- und Projektarbeit.

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