Atomfrei-Träume, Leitartikel Von Alois Vahrner

Österreich produziert zwar keinen Atomstrom, verbraucht ihn aber im Tauschweg ebenso wie andere Länder.

Innsbruck (OTS) - Dass Österreich mit Zwentendorf das einzig zu
100 Prozent sichere, weil nie in Betrieb gegangene Atomkraftwerk der Welt besitzt, ist in diesen Tagen ein gern erzähltes Bonmot. Ganz so konsequent, wie ihn die Politik darstellt, ist der Umgang Österreichs mit der Kernkraft aber nicht. So wird zwar seit Jahren gegen als unsicher geltende Meiler wie Mochovce, Bohunice Temelin oder Krsko protestiert. Ein Veto gegen den EU-Beitritt etwa Tschechiens, der Slowakei oder Slowenien war es der Regierung aber nicht wert.
Und während politisch gegen die Kernkraft agitiert wird und nach dem Willen von Kanzler Faymann sogar eine europäische Volksinitiative gestartet werden soll, fließt seit Jahr und Tag gar nicht so wenig Atomstrom in jeden österreichischen Haushalt. Über lukrative Tauschverträge, die in öffentlichem Besitz stehende E-Gesellschaften wie Verbund oder die Tiwag vor allem mit deutschen Energieriesen wie E.ON , EnBW oder RWE abgeschlossen haben.
Jetzt plötzlich pocht die Politik auf das Ende der Atom-Tauschverträge. Je nach Gestaltung wird dies ein teures Unterfangen. Moralisch vielleicht, technisch aber ist dieser Ausstieg nicht möglich, weil Strom einfach kein Mascherl hat. Die europäische Alternative zu Atomstrom heißt Kohle, Gas, Wind (im Norden) oder Sonne (im Süden). Vor allem Sonne und Wind bedingen dann aber auch neue Hochleistungsnetze und mehr Pumpspeicherkraftwerke, um den etwa bei der Windkraft ungleichmäßig produzierten Strom speichern zu können. Das wird noch überall ein heißer Tanz.

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