Ärztekammer zu Spitalsreform: Wawrowsky warnt vor Zerschlagung der Facharzt-Ordinationen

Länder wollen Beitragsgelder der Krankenkassen - Ziel ist Ausbau der Spitalsambulanzen

Wien (OTS) - Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind skeptisch gegenüber einer Mitsprache der Länder bei der Planung, Steuerung und Finanzierung der Arztpraxen. Diesen Wunsch hat zuletzt die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely geäußert. Sollten die Länder mitbestimmen, dann gehe es weniger um eine Verbesserung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung, sagte der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Bundesvorsitzende der niedergelassenen Ärzte, Günther Wawrowsky, Samstag in einer Aussendung. Die Länder wollten offensichtlich unbegrenzt an die Mittel der Sozialversicherungen herankommen, um damit ihre Spitäler und Ambulanzen finanziell zu sanieren.

Wawrowksy: "Die Länder haben mit ihren Spitälern Schulden in der Höhe von fast drei Milliarden Euro angehäuft. Ihr Kalkül ist, diese Schulden über die Beiträge der Sozialversicherten in den Griff zu bekommen." Dabei könnte es Absicht sein, die Spitalsambulanzen zu fachärztlichen Zentren auszubauen. Mittel- bis langfristige Folge wäre die weitgehende Aushöhlung der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung über Ordinationen und Gruppenpraxen. "Wir kennen dieses Modell aus England, wo die fachärztlichen Leistungen ausschließlich auf die Spitalsambulanzen konzentriert sind", sagte der Bundeschef der niedergelassenen Ärzte. Die Begleiteffekte lägen auf der Hand:
Unterversorgung an der Peripherie, lange Anfahrtswege für die Patientinnen und Patienten, überlaufene Ambulanzen, endlose Wartezeiten, überlastete Spitäler. Gleichzeitig sei auch dieses Modell völlig ungeeignet, die Finanzprobleme des Gesundheitswesens unter Kontrolle zu bringen.

Die niedergelassenen Ärzte warnen nun nachdrücklich vor dieser Entwicklung. Wawrowsky forderte in diesem Zusammenhang die Teilnehmer an den aktuellen Verhandlungen zur Spitalsreform auf, die Karten auf den Tisch zu legen und sich glaubwürdig von der Zentrierung des fachärztlichen Angebots in den Spitälern zu distanzieren. "Wir erwarten, dass auch die Bundesländer deutliche und rasche Zeichen zur Förderung der Gesundheitsbetreuung der Bevölkerung im wohnortnahen Bereich durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte setzen", sagte der hohe Ärztepolitiker abschließend. (ms)

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