Jüdisches Museum Wien: Auf neuem Kurs

Danielle Spera präsentiert Pläne zur Neuausrichtung des Jüdischen Museums

Wien (OTS) - Derzeit ist die Funktionssanierung des Museums, die
im Jänner begonnen wurde in vollem Gang. Direktorin Danielle Spera berichtete dem Aufsichtsrat des Jüdischen Museums der Stadt Wien über die personellen und inhaltlichen Planungen zur Wiedereröffnung des Standorts Dorotheergasse.

Neuaufstellung mit starkem Team

"Die Funktionssanierung des Hauses schreitet zügig voran und wird im Juni abgeschlossen sein. Danach können wir mit der Ausgestaltung der Ausstellungsbereiche beginnen", sagte Spera nach der Aufsichtsratssitzung. "Ich habe dem Aufsichtsrat ein starkes KuratorInnenteam und die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen präsentiert, mit denen ich die neue ständige Ausstellung erarbeiten werde. Damit setzen wir konsequent den Weg fort, der bereits beim Standort Judenplatz zum Erfolg führte: Eine Neupositionierung des Hauses mit einer permanenten Schau und spannenden Wechselausstellungen. Im Gegensatz zu anderen Häusern, die bei einem Umbau geschlossen werden müssen, sind wir in der glücklichen Lage, dass wir mit dem neuen Museum Judenplatz einen voll funktionsfähigen Ausstellungsort anbieten können, der auch ausgezeichnet vom Publikum angenommen wird", so Spera.

"Wien. Jüdisches Museum. 21. Jahrhundert"

Für die neue Dauerausstellung gibt es im Jüdischen Museum Wien eine innovative, seriöse und schrittweise Vorgangsweise. Werner Hanak-Lettner, langjähriger Kurator am JMW und international renommierter Ausstellungsmacher, hat das Konzept dazu ausgearbeitet. "Es ist eine kreative und professionelle Antwort auf eine schwierige Situation. Das Haus braucht eine neue Dauerausstellung. Daher schlage ich einen Weg vor, der das Museum zur Wiedereröffnung konzeptionell belebt, zudem als selbstreflexives Haus positioniert und das Team genügend Zeit lässt für Herbst 2012 eine weitere außergewöhnliche Dauerausstellung zu erarbeiten."

Daher eröffnet das Haus im Herbst 2011 mit einem Mix aus permanenten und temporären Ausstellungen. Während das Schaudepot im 3. Stock bereits in seiner permanenten Form "neueröffnet", wird im Erdgeschoß eine Schau erarbeitet, die das Medium Jüdisches Museum selbst in den Mittelpunkt rückt und gleichzeitig auch hinterfragt. Unter dem Arbeitstitel "Wien. Jüdisches Museum. 21. Jahrhundert" werden mittels sieben Stationen sieben Fragen gestellt, die auf vielfältige Art bewusst machen, wie sehr ein Jüdisches Museum mit der Geschichte seines Entstehungsortes verbunden ist und wie divers gleichzeitig die Erwartungshaltungen an ein solches Haus sind. Wir stellen also den Prozess hin zur Dauerausstellung selbst aus, und suchen im Rahmen einer Ausstellung den Dialog mit den Besuchern und Fachexperten. Eine wichtige Rolle wird im Erdgeschoß auch wieder die Sammlung Berger im Zusammenspiel mit der "Installation der Erinnerung" von Nancy Spero spielen", so Hanak-Lettner. Die Dauerausstellung wird zum Thema des nächsten Jahres. "Das Konzept von Herrn Hanak-Lettner hat mich sofort überzeugt, da es sehr dynamisch ist und das Museum noch mehr zu einem Ort der Begegnung, der Inspiration und des Dialogs macht", sagt Spera. Das Jüdische Museum Wien nehme das Thema neue Dauerausstellung sehr ernst. Es wird dazu ein Symposium und auch eine Publikation geben, die die Erfahrungen mit der Ausstellung wiederspiegelt.

"Wir werden mit einem breit aufgestellten Team der WissenschaftlerInnen des Museums unter Leitung von Dr. Werner Hanak-Lettner das Konzept der Dauerausstellung umsetzen", betonte Spera nach der Aufsichtsratssitzung. Wien Holding-Direktor Komm.-Rat Peter Hanke bekräftigte seine Unterstützung für Dr. Spera: "Mit dem neu aufgestellten Museumsteam ist die Kontinuität und Qualität der Arbeit des Museums gewährleistet. Wir sollten das Team nun in Ruhe arbeiten lassen und an den Ergebnissen der Arbeit messen."

Die erste große Wechselausstellung ist eine groß dimensionierte Schau zu einem globalen kulturgeschichtlichen Thema mit der das Hausöffentlichkeitswirksam eröffnet - "BIGGER THAN LIFE. 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung". Sie wird von Dr. Werner Hanak-Lettner kuratiert.

Dr. Werner Hanak-Lettner leitet Neukonzeption

Der Theaterwissenschaftler und Museumsfachmann präsentierte erst vor kurzem sein neuestes Buch über Ausstellungsdramaturgie. Er ist seit 1993 im Museumsteam, baute das Museumsarchiv auf und ist seit 2000 Leiter der Bibliothek. Er betreute über 20 Ausstellung, darunter die erste große Wechselausstellung nach der Eröffnung "Chagall - Bilder. Träume. Theater. 1908 - 1920". Hanak-Lettner zeichnete in den letzten Jahren für zahlreiche wichtige Ausstellungen des Museums verantwortlich. Er gestaltete die Harry Weber-Ausstellung "Heute in Wien", die als Eröffnungsausstellung des neu gestalteten Museums 1996 präsentiert wurde, die geschichts- und religionsphilosophische Ausstellung "Eden. Zion. Utopia. Zur Geschichte der Zukunft im Judentum" (2000) sowie die große Festwochen-Koproduktion "quasi una fantasia - Juden und die Musikstadt Wien" (Wien 2003, New York 2004). Mit "Papier ist doch weiß? Eine Spurensuche im Archiv des Jüdischen Museums" (1998) stellte Hanak-Lettner erstmals die Sammlungsbestände des Archivs des Jüdischen Museums vor. Hanak-Lettner kuratierte zudem die permanente "Installation der Erinnerung" von Nancy Spero im Kuppelsaal des Jüdischen Museums. 2006 und 2009 beauftragte ihn das Wien Museum mit der Neukonzeption der permanenten Ausstellungen in der Mozartwohnung und im Haydnhaus.

Chefkuratorin Dr. Felicitas Heimann-Jelinek verlässt das Museum

Getrennte Wege gehen das Jüdische Museum Wien (JMW) und seine bisherige Chefkuratorin, Dr. Felicitas Heimann-Jelinek. Der Dienstvertrag wurde im beiderseitigen Einverständnis per 31. 3. 2011 aufgelöst. Dr. Heimann-Jelinek verlässt das JMW auf eigenen Wunsch. Sie will sich in Zukunft verstärkt der wissenschaftlichen Arbeit im akademischen Bereich und der Kuratoren-Tätigkeit widmen. "Hinter mir liegt eine schöne, aber auch höchst intensive Zeit. Ich möchte mich bei dem Team, mit dem ich so viel erleben durfte, für seine Zuverlässigkeit und seinen Einsatz bedanken und auch der Stadt Wien, die dieses Museum und viele seiner Erfolge ermöglicht hat, meine Anerkennung aussprechen", so Heimann-Jelinek.

Die neue künstlerische Leiterin des Jüdischen Museums Wien, Dr. Danielle Spera, bedauert die Entscheidung Heimann-Jelineks. Spera betont, "dass die hohe wissenschaftliche Qualifikation von Felicitas Heimann-Jelinek die Positionierung des Museums lange Jahre geprägt hat." Als Chefkuratorin und ausgewiesene Museologin zeichnete Heimann-Jelinek im Jüdischen Museum Wien unter anderem für die Betreuung der Sammlungen, die Konzeption der bisherigen Dauerausstellungen und eine Vielzahl der auch international immer wieder Aufsehen erregenden Ausstellungen des Hauses - von der Eröffnungsausstellung "Hier hat Teitelbaum gewohnt" 1993 bis zur vorerst letzten Ausstellung im Haupthaus "Die Türken in Wien. Geschichte einer jüdischen Gemeinde" 2010/11 - verantwortlich.

"Die von Frau Dr. Heimann-Jelinek betreuten Ausstellungen waren immer geprägt von gesellschaftspolitisch relevanten Diskursen, exakten wissenschaftlichen Recherchen und hohem ästhetischen Anspruch. Mit ihrer Fachkompetenz und ihrer wissenschaftlichen und kommunikativen Arbeit hat sie wesentlich zur international hervorragenden Position des Jüdischen Museums Wien beigetragen", so Wien Holding-Geschäftsführer Peter Hanke. Die Entscheidung Dr. Heimann-Jelineks, ihre Tätigkeit im Jüdischen Museum Wien zu beenden, wurde auch vom Aufsichtsrat des JMW mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

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