WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Hypo Alpe Adria: Optimismus sieht anders aus - von Christian Kreuzer

Der Staat wird nochmals Geld in die Hand nehmen müssen

Wien (OTS) - Die Hypo Alpe Adria ist bilanziell gesäubert, ab
jetzt kann es nur mehr bergauf gehen. Die Null-Linie ist bereits für das laufende Jahr geplant, ab 2012 soll es gar Gewinne geben. Dieses optimistische Bild möchte uns der neue Hypo-Chef Gottwald Kranebitter gerne vermitteln. Doch bei genauerem Hinsehen fällt es schwer, dem Glauben zu schenken. Auch ihm selbst, denn im Geschäftsbericht geht Kranebitter davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in Südosteuropa weiterhin bescheiden ausfallen wird, die für die Hypo besonders wichtigen Immobilienmärkte in der Region noch keine Trendumkehr zeigen und die Hypo daher auch im laufenden Jahr hohe Risikovorsorgen bilden muss. Optimismus sieht anders aus. Dass die Märkte in Südosteuropa daran wenig Schuld tragen, liegt auf der Hand. Ansonsten würden die anderen heimischen Institute in der Region keine Gewinne machen. Die Hypo kämpft mit ihren eigenen, strukturellen Problemen, der laxen Kreditvergabe und den geringen Vorsorgen in der Vergangenheit. Diese Versäumnisse, die vielleicht auch kriminelle Hintergründe haben (diese müssen vor Gericht geklärt werden), werden die Bank sowie den österreichischen Steuerzahler sicher noch einige Jahre begleiten.

Es ist davon auszugehen, dass der Staat nochmals Geld in die Hand nehmen muss, wenngleich dies von allen Seiten immer wieder bestritten wird. Dass dies so sein wird, verrät ein Blick auf die Entwicklung des Eigenkapitals. Ende 2010 wies die Skandalbank nur mehr 1,45 Milliarden Euro Eigenkapital aus, das ist um mehr als eine halbe Milliarde Euro weniger als im Jahr zuvor - und das trotz einer Kapitalerhöhung durch Bund, Land Kärnten und GraWe im Ausmaß von 600 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote liegt bei beängstigenden 6,6 Prozent. Angesichts der neuen Vorschriften (Basel III), die schon ab 2013 gelten werden, muss der Vorstand rasch agieren und die risikogewichteten Aktiva von derzeit noch 27,1 Milliarden Euro deutlich verringern, damit die Kernkapitalquote wieder auf ein akzeptables Niveau zu liegen kommt.

Das Dilemma dabei: Die Kärntner Hypo kann nur die halbwegs gesunden Teile wie etwa die Italien-Tochter auf den Markt werfen. Die großen Verlustbringer wie etwa die Leasinggeschäfte sind dagegen unverkäuflich. Lässt sich die Bilanzsumme nicht in einem beträchtlichen Ausmaß reduzieren, gibt es nur mehr eine Möglichkeit, die Kapitalausstattung zu retten: Die Republik muss frisches Geld in die Hypo pumpen.

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