Eine Wahl mit weit reichenden Folgen - Leitartikel von Christian Jentsch

Die Grünen sind nach dem Wahlsonntag in Deutschland auf dem Weg zur Volkspartei.

Innsbruck (OTS/TT) - Deutschland hat am gestrigen Wahlsonntag sein grünes Wunder erlebt. Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg könnten einen historischen Machtwechsel mit sich bringen. Nach 58 Jahren an der Macht muss die CDU in ihrer Hochburg eine herbe Niederlage einstecken, mit Winfried Kretschmann könnten die Grünen - in Koalition mit der SPD - erstmals den Regierungschef in Stuttgart stellen. Die FDP fuhr in ihrem Stammland das schwächste Ergebnis überhaupt ein. Ein Debakel für Schwarz-Gelb, nicht nur auf Länderebene. Die SPD freute sich zwar im "Ländle" auf einen möglichen Regierungswechsel, konnte selbst aber nur ein schwaches Ergebnis einfahren. Und: Bei der Wahl in Rheinland-Pfalz verloren die dort bisher allein regierenden Sozialdemokraten massiv an Stimmen und müssen sich nun wohl auch dort auf eine Koalition mit den Grünen einlassen.

Sicher, die Katastrophe von Fukushima hat den Grünen, die am vehementesten den Ausstieg aus der Kernkraft fordern, Flügel verliehen. Aber nicht nur die Debatte über die Zukunft der Atomkraft gab den Ausschlag für den Stimmungswechsel. Schon im erbitterten Streit um das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" zeigten die einst oft als reine "Protest-Partei" gebrandmarkten Grünen Profil. Sie etablierten sich als Partei der Mitte, als Volkspartei, die auch "bürgerliche" Schichten anspricht. Und geschickt das Vakuum füllt, das die großen Volksparteien wie die Union und die SPD hinterließen. Diese mussten eine weitere Erosion ihrer Macht mitansehen. In Deutschland hat sich eine dritte Kraft etabliert, die künftig nicht nur mehr als Zünglein an der Waage herhalten muss, sondern selbst die Richtung vorgeben kann. Nun werden die Grünen aber beweisen müssen, dass sie mit Wahlerfolgen auch umgehen können.

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