Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 27. März 2011. Von LIANE PIRCHER. "Ein Stresstest mit Schwindeleien"

Die EU beschließt höchste Sicherheit für Atomkraftwerke - wirklich verbindlich ist das Versprechen leider nicht.

Innsbruck (OTS) - Nach Fukushima ist alles anders. Nicht nur, weil das Unglück in einem demokratischen Land passiert ist, das technisch genauso weit ist wie Europa, wenn nicht weiter. Nein, weil jetzt die Staatschefs der EU wissen, was in Japan ist, kann auch hier passieren - in einem der 147 Kernkraftwerke Europas. Einige stehen in Gebieten mit Erdbebengefahr. Aus dieser Angst heraus soll die Sicherheit der Anlagen der EU mit einer umfassenden und transparenten Risiko- und Sicherheitsbewertung - kurz Stresstests - überprüft werden. Gut, möchte man denken.
Das Versprechen für "maximale Sicherheitsstandards" ist allerdings nur ein vages. Weil nicht alle Staatschefs gleich sensibel auf Atomkraft reagieren, sind die Tests weder "verpflichtend" noch gibt es "allfällige Konsequenzen". Die Bevölkerung kann sich nur auf freiwillige Transparenz verlassen. Dass sie dies tut, ist zu bezweifeln. Denn die japanische Regierung hat bis diesem zweiten März-Wochenende auch immer gesagt, dass ihre AKWs sicher sind. So wie es jetzt Europa sagt. Auch in Japan haben viele darauf vertraut, dass die Regierung sagen werde, wenn die Atomkraft unsicher oder gar gefährlich wird. Gekommen ist es anders. Eigentlich müsste die Lehre aus Japan sein: Vor Restrisiken mit extremen Folgen muss man sich hüten, egal, wie gering diese sind. Und zwar ernsthaft.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001