UNHCR-Statistik 2010: Asylanträge in Industrienationen gesunken

Österreich verzeichnet starken Rückgang um 30,4 Prozent

Genf/Wien (OTS) - +++ Bitte Sperrfrist bis Montag, 28. März 00.01 beachten +++

Die Anzahl von Asylsuchenden ist in den Industrienationen 2010 weiter gesunken. Im Vergleich zum Beginn des Jahrtausends hat sich die Zahl beinahe halbiert, belegt die heute veröffentlichte UNHCR-Asylstatistik. Erhoben wurde dabei die Anzahl von Asylanträgen in 44 Industrienationen*, die positive oder negative Erledigung der Anträge wurde dabei nicht miteinbezogen.

Insgesamt wurden in den 44 Industriestaaten letztes Jahr 358.000 Asylanträge gestellt, das entspricht im Vergleich zu 2009 einem Minus von 5 Prozent. Verglichen mit den Antragszahlen Anfang 2000 ist ein Rückgang von 42 Prozent zu verzeichnen. Im Jahr 2001 wurde mit 620.000 Asylanträgen der Spitzenwert des vergangenen Jahrzehnts erreicht.

"Die globale Asyldynamik verändert sich. In der industrialisierten Welt werden generell viel weniger Asylanträge gestellt als vor zehn Jahren, nur in einigen wenigen Ländern ist im Jahresvergleich ein Anstieg zu verzeichnen", so UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres. "Wir müssen nun erforschen, ob sich dieser Rückgang auf Faktoren in den Herkunftsländern zurückführen lässt oder auf eine restriktivere Migrationskontrolle in den Asylländern."

Fast alle Regionen verzeichnen sinkende Antragszahlen

Die Anzahl der Asylanträge 2010 war die viertniedrigste seit 2000, im Vergleich zu 2009 war in den meisten Regionen - darunter Europa, Nordamerika und Nordasien - ein Rückgang zu verzeichnen. In Europa wurden vor allem in den südlichen Ländern Malta, Italien und Griechenland weniger Asylanträge gestellt. Insgesamt sind die Anträge in Südeuropa um 33 Prozent gesunken. Demgegenüber verzeichneten Deutschland (+49%), Schweden (+32) Dänemark (+30%), Türkei (+18%), Belgien (+16%) und Frankreich (+13%) Anstiege bei den Antragszahlen. In Nordeuropa wurden die Zuwächse in Dänemark und Schweden von starken Rückgängen der Asylanträge in Norwegen (-42%) und Finnland (-32%) ausgeglichen. Auch Österreich reiht sich zahlenmäßig mit einem 30prozentigen Rückgang der Asylanträge unter diesen Ländern ein.

Betrachtet man die Zahlen pro Kontinent, so verzeichnete nur Australien einen Anstieg der Asylanträge im Vergleich zu 2009 (8.250 Asylanträge bzw. +33%). Australien liegt damit aber immer noch weit unter industrialisierten und nicht-industrialisierten Ländern.
USA verzeichnet die meisten Asylsuchenden

Bei der Betrachtung einzelner Staaten bleibt die USA zum fünften Mal in Folge das Land mit den meisten Asylanträgen, jeder sechste, der in einer Industrienation um Asyl ansuchte, wurde 2010 in den USA registriert. Insgesamt kamen um 6.500 mehr Asylsuchende als 2009 in die USA, was vor allem auf einen Anstieg von chinesischen und mexikanischen AsylwerberInnen zurückzuführen ist.

Mit 47.8000 Asylanträgen bleibt Frankreich unter den 44 Industrienationen das Land mit den zweitmeisten neuen Asylanträgen, häufige Herkunftsländer sind Serbien, Russland und Kongo. Hinter Frankreich reiht sich Deutschland mit einem 49prozentigen Anstieg ein, der sich hauptsächlich auf vermehrte Asylanträge von Serbiern (inkl. Kosovo) und der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien zurückführen lässt. Schweden und Kanada sind in der Statistik auf Rang vier und fünf zu finden. Insgesamt verzeichneten die Top-Fünf-Länder 56 Prozent aller Asylanträge, die in der UNHCR-Statistik erhoben wurden. Österreich reiht sich auf Platz 10 ein.

Serbien und Afghanistan führen Herkunftsliste an

Die größte Gruppe der Asylsuchenden kam 2010 aus Serbien (28.900 inklusive Kosovo). Das entspricht einem Anstieg von 54% verglichen mit 2009, somit liegt die Zahl der Anträge ungefähr auf dem Niveau von 2001, also kurz nach der Kosovo-Krise.

Asylsuchende aus Afghanistan stellten in den Industrienationen die zweitgrößte Gruppe dar, 2010 war ein Rückgang der Anträge um 9% zu verzeichnen. In absoluten Zahlen haben 24.800 Afghanen in den Industrienationen um Asyl angesucht, vermehrt wurden auch Anträge in Deutschland und Schweden gestellt. Chinesische Asylsuchende traten -auch wegen des Rückgangs von Anträgen von Irak und Somalia -zahlenmäßig an die dritte Stelle. Zum ersten Mal seit 2005 war der Irak nicht unter den Top zwei Herkunftsländern, sondern auf Rang vier, gefolgt von der Russischen Föderation. Somalia, das 2009 auf Rang drei der Liste zu finden war, steht nun an sechster Stelle. In Österreich kamen die meisten Asylsuchenden aus der Russischen Föderation (2.323 Anträge), gefolgt von Afghanen und Serben (inkl. Kosovo).

Flüchtlingshochkommissar Guterres dazu im Hinblick auf die aktuellsten Krisen in der Elfenbeinküste und in Libyen: "Es sind noch immer die Entwicklungsländer, die die größte Verantwortung im Flüchtlingsschutz tragen müssen. Trotz vieler anderer Herausforderungen halten Länder wie Liberia, Tunesien und Ägypten ihre Grenzen für schutzbedürftige Menschen offen. Ich rufe alle Länder dazu auf, sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen."

* Die Asylstatistik beruht auf folgenden 44 Industrienationen: 27 EU-Länder, Albanien, Australien, Bosnien und Herzegowina, Kanada, Kroatien, Island, Japan, Republik Korea, Liechtenstein, Montenegro, Neuseeland, Norwegen, Serbien (inkl. Kosovo), Schweiz, Türkei, USA, Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien.
Die gesamte Asylstatistik ist ab Montag früh unter www.unhcr.at abrufbar.

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Ruth Schöffl, Tel. +43/1/26060 5307,Mail: schoeffl@unhcr.org
Gabrielle Sabourin, Tel. +43/126060 4048, Mail: sabourin@unhcr.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | UNH0001